Ein Kraftwerk im Bauch der Fregatte

 

Rund um die Uhr besetzt

Die Fachleute wechseln das Stromaggregat aus. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Der Leitstand ist das Herz und der Arbeitsmuskel des Schiffsbetriebs der Fregatte und rund um die Uhr besetzt. Die beiden Schiffstechniker Oberstabsgefreiter Sebastian R. und Oberstabsgefreiter Karsten E. überwachen und kontrollieren den Betriebszustand aller technischen Bereiche dazu gehören Energie, Maschine, Frisch- und Abwasser sowie weitere schiffstechnische Komponenten. Bei einem Feuer im Schiff oder Wassereinbruch wird der Leitstand zur Krisenkommunikationszentrale, in dem die Schadensabwehr koordiniert wird. Alle zwei Stunden gehen die beiden Fachmänner auf Patrouille durch das Schiff, um alle Betriebsanlagen zu kontrollieren.

Fregatte erzeugt Strom für eine Kleinstadt

Die Fregatte "Brandenburg" hat insgesamt vier Elektrodieselmotoren, die eine Gesamtleistung von 3000 Kilowattstunden erzeugen - damit könnte eine Kleinstadt mit circa 25.000 Einwohnern versorgt werden. „Wir haben zwar vier Elektrodieselmotoren, aber im Normalbetrieb sind immer nur zwei in Gebrauch. Die anderen beiden stehen in Reserve bereit“, erklärt Oberstabsgefreiter Sebastian R. weiter.

Ebenso halten sie die magnetische Eigenschutzanlage stets einsatzbereit. „Die MES- Anlage bietet Schutz gegen Minen mit Magnetzünder. Mit Hilfe von Elektrospulen kann die Fregatte ein entmagnetisiertes Feld erzeugen und so das Risiko für Schiff und Besatzung minimieren“, erklärt der 26-jährige Sebastian R.

Riesenrespekt vor Strom


Teamwork ist erforderlich, denn viele Arbeiten sind allein nicht zu bewerkstelligen. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Achtung Hochspannung. An Bord der Fregatte gibt es viele verschiedene Geräte und somit auch unterschiedliche Spannungen, von 24 Volt bis 440 Volt bei einer Leistung bis zu 750 Kilowatt. Sicherheit ist daher das oberste Gebot und diverse Vorkehrungen müssen beachtet werden. „Zunächst werden alle Arbeiten immer zu zweit durchgeführt, so dass für den Notfall eine Person die Sicherung übernimmt", unterstreichen beide. Darüber hinaus ist eine entsprechende Arbeitsschutzkleidung unverzichtbar.

Eigenschutz an erster Stelle


Alle Arbeiten werden aus Sicherheitsgründen immer zu zweit durchgeführt. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Vor jeder Arbeit werden die 1.000-Volthandschuhe übergestreift und ein "Safety Rope" um die Taille gebunden. „Die Handschuhe sind aus Gummi und verhindern den Stromfluss. Das Seil dient als weitere Schutzmaßnahme, sollte es doch zu einem Stromschlag kommen. So kann der zweite Mann die Person von der Stromquelle ziehen ohne sich selbst zu gefährden“, betont Sebastian R. „Immerhin fließen bis zu 750 Kilowatt durch die Generatoren. Das ist, als wenn ich 700 Backöfen zeitgleich nutzen würde", verdeutlicht Karsten E. weiter, als er sich die Handschuhe überzieht. Als letztes wird noch eine Gesichtsschutzmaske gegen eventuelle Funken aufgesetzt und erst dann wird der Strom ausgeschaltet. "Alle Sicherheitsvorkehrungen sind getroffen, nun kann es losgehen", sagt Sebastian R..

Der Elektriker ist bei der Bundeswehr ein vielseitiger Beruf

Beide Marinesoldaten sind vom Fach und haben vor ihrem Eintritt in die Bundeswehr eine Berufsausbildung im Bereich Elektrotechnik abgeschlossen. „Wir beide wollten nach unserer Ausbildung etwas Neues ausprobieren und so kam es, dass wir uns bei der Marine beworben haben", erklären die beiden. Die Arbeit an Bord einer Fregatte ist nicht mit dem Handwerksberuf vergleichbar. Die Technik ist zwar die gleiche, aber auf einem Marineschiff ist alles anders. „So müssen wir Seewachen gehen und das heißt auch mal mit weniger Schlaf auskommen.“ Trotz aller Entbehrungen gefällt den Zeitsoldaten die Arbeit an Bord der Fregatte "Brandenburg". Ihnen ist bewusst, dass man sich an Bord arrangieren muss. „Wir leben hier auf engstem Raum zusammen und die Trennung von der Familie ist auch eine Herausforderung. Jedoch kann man auf die Kameradschaft zählen und das ist das, was unseren Beruf ausmacht.“