Die Mückenjäger von Djibouti

 

Eine holprige Fahrt durch die Wüste. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Bereits in den frühen Morgenstunden brennt die Sonne. Es ist glühend heiß. Das Thermometer zeigt 36 Grad an. Hauptbootsmann Norman R. sitzt hinterm Lenkrad und steuert seinen Geländewagen über eine holprige Straße. Vor ihm erstreckt sich eine braun-gelbe Wüsteneinöde aus Geröll, Sand und vereinzelten Sträuchern. „Wir fahren zu einer Quarantänestation in der Nähe der somalischen Grenze. Dort haben wir eine Mückenfalle aufgebaut“ sagt der Hauptbootsmann, als er sein Fahrzeug über die holprige Wüstenpiste lenkt.

Hauptsache alle Soldaten kommen gesund heim

Neben ihm sitzt Flottillenarzt Dr. Dietmar A. „Einer der Gründe unserer Anwesenheit ist, die deutschen Soldaten gesund nach Hause zu bringen. Daher ist es wichtig zu wissen, wie stark Malaria in der Region verbreitet ist“, erklärt er mit ernster Miene. Aus diesem Grund werden die Mückenfallen regelmäßig vom Sanitätspersonal der deutschen Verbindungs- und Unterstützungsgruppe kontrolliert und geleert. „Für uns ist es wichtig, dass wir herausfinden, welche Mückenarten hier kursieren. Nur so können wir die entsprechende Prophylaxe anwenden“, betont der Marinearzt.

Begrüßung der Einheimischen. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack

Eine halbe Stunde später ist das Fahrtziel erreicht. Die Sanitätssoldaten steigen aus ihrem Auto. Hauptbootsmann R. greift nach einer Tasche. „Hier haben wir neue Batterien für die Fallen“, erzählt er, während er mit seinem Kameraden auf ein Gebäude mitten in der Einöde zugeht.

Flottillenarzt Dr. Dietmar A. tauscht eine Mückenfalle aus. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

In dem Gebäude stehen ein einfaches Bett, ein kleiner Kühlschrank und zwei Kisten mit Kartoffeln und Zwiebeln. In einer Ecke hängt die Mückenfalle. Die Falle hat einen einfachen Aufbau. Sie besteht aus einer Fotozelle mit batteriebetriebener Glühlampe, einem trichterförmig angebrachten Netz, einem Lüfter und dem entsprechenden Auffangbehälter. „Der eingebaute Lüfter saugt das Ungeziefer im wahrsten Sinne des Wortes ein“, erklärt Norman R.

Für 24 Stunden ins Kühlfach


Die Plagegeister sitzen in der Falle. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Mit einem kurzen Griff ist der Auffangbehälter entnommen. Die Beute wird zunächst auf Zeitungspapier entleert. „Diesmal sind es gar nicht so viele“, stellen die Beiden überrascht fest. Tatsächlich richtet sich die Anzahl der Mücken nach der Jahreszeit. „In den Wintermonaten ist mit mehr Mücken zu rechnen. Da regnet es mehr, die Mücken können sich dann besser vermehren“, erklärt der Flottillenarzt. Zum Schluss werden die Moskitos in einer Plastiktüte versiegelt und für 24 Stunden in den Gefrierschrank gelegt. „Das ist Teil des Konservierungsprozesses“, erläutert Hauptbootsmann R..

Am nächsten Tag können sie versendet werden

Beim Sortieren braucht es ein gutes Auge und eine ruhige Hand. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Am nächsten Tag wird die Beute aus dem Kühlfach entnommen und auf einer Unterlage verstreut. „Wir müssen die Mücken von anderen Krabbeltieren trennen“, erläutert der Hauptbootsmann. Jede einzelne Mücke nimmt er vorsichtig mit einer Pinzette auf und legt sie in ein kleines Plastikröhrchen. Für ihre Tätigkeit mussten die Sanitätssoldaten einen Sonderlehrgang in der Abteilung Zoologie des Bundeswehrzentrallabors in Koblenz absolvieren. Dort werden künftige „Mückenjäger“ vom Fachpersonal des Institutes im sogenannten Vektoren-Monitoring ausgebildet. „Im Zentrallabor wurden uns die verschiedenen Mückenarten vorgestellt und die richtige Handhabung der Fallen gezeigt. Ein weiterer Bestandteil des Lehrganges ist die korrekte Verpackung der Insekten“, so der Hauptbootsmann.

"Sonderfracht" geht zur Untersuchung nach Deutschland

Der Flottillenarzt schaut dem erfahrenen Hauptbootsmann über die Schulter. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Sind alle Mücken im Röhrchen gelandet, werden sie mit Alkohol konserviert. Anschließend wird die „Sonderfracht“ dann nach Deutschland gesendet. Nach ihrer Ankunft im Zentralen Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in Koblenz werden die Mücken unter das Mikroskop gelegt und untersucht. Das Laborpersonal bestimmt die Art und prüft, ob sie Krankheitserreger in sich tragen.

Nach circa vier Wochen liegt das Ergebnis vor. Sollten Mücken mit Krankheitserregern belastet sein, empfiehlt das Institut, welche Schutzmaßnahmen getroffen werden sollten. „Die Gefahr des Auftretens von Malariaerkrankungen ist saisonal sehr unterschiedlich. Im Ergebnis der Laboruntersuchungen werden für unsere Soldaten Prophylaxemaßnahmen festgelegt, die können auch die Einnahme von Medikamenten für einen bestimmten Zeitraum beinhalten. Vorbeugen ist besser als heilen“, sagt der Flottillenarzt Dr. A. zum Abschluss. In vierzehn Tagen heißt es dann wieder für die deutschen „Mückenjäger“: Auf in die Wüste, um Fallen zu checken und Plagegeister sicherzustellen.