Vorbereitung für das "fliegende Auge"

 

Techniker der Marineflieger bei der Arbeit. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Ein Flugzeug ist ein komplexes System und unterliegt höchsten Sicherheitsstandards. Ähnlich wie bei einem Auto, müssen die Maschinen daher kontinuierlich inspiziert und gewartet werden, damit sie über einen langen Zeitraum effizient und vor allem sicher fliegen. Daher legen die Techniker der Marineflieger in bestimmten Intervallen Hand an, überprüfen und warten ihren Flieger auf „Herz und Nieren“.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

In Djibouti konnten nun zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen und zwei Inspektionen parallel durchgeführt werden: Die 28-Tage Inspektion und die Phaseninspektion. Eine besondere Herausforderung, insbesondere bei der Hitze. Hierbei wird der Seefernaufklärer genau unter die Lupe genommen. Jeder Techniker ist sich dabei bewusst, welche Verantwortung er trägt. Alle arbeiten daher sehr sorgsam.

"Wash up" wie in einer Waschstraße

Waschtag mit Flugzeug. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

In den Vormittagsstunden wird das Flugzeug zunächst von den Technikern gewaschen. Hierzu „bewaffnen“ sie sich mit Schrubber und Wasserschlauch und befreien den Flieger vom Schmutz. Nach circa eineinhalb Stunden erscheint die „Orion“ in neuem Glanz. „So wie die jetzt glänzt, wird jedes Foto überbelichtet", scherzt einer der Soldaten, als jemand das Flugzeug fotografiert.

Die Mittagssonne brennt glühend heiß


Der Triebwerkschacht wird ordentlich gereinigt. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

In den Nachmittagsstunden steht dann die eigentliche Arbeit an. Die Sonne, der warme Wind und die Hitze sorgen dafür, dass die Arbeit schweißtreibend bleibt. „Der Boden hat eine Temperatur von mindestens 63 Grad", sagt einer der Techniker. „Da ist sogar der warme Wind eine willkommene Abwechslung" scherzt er weiter. Insgesamt haben sich circa 20 Marinefliegertechniker um das Flugzeug verteilt, jeder geht seiner Arbeit nach.„Selbstverständlich wird vor jedem Flug der technische Zustand überprüft. In der vorliegenden Inspektion gehen wir jedoch genauer vor und nehmen das gesamte Flugzeug unter die Lupe", erklärt der sogenannte Flight Chief, Hauptbootsmann Markus S. Der Hauptbootsmann ist 1. Wart und damit erster Ansprechpartner, wenn es um technische Fragen geht. Er koordiniert und plant den Zeitraum von Wartungen und Inspektionen. „Während der Wartungsintervalle ist das Flugzeug nicht einsatzklar und muss bei der Flugplanung abgemeldet werden. Anfallende Einsatzaufträge müssen durch andere Nationen aufgefangen werden“, erklärt der Flight Chief seine Aufgabe.

Alle 400 Flugstunden eine Sonderprüfung

Funktionsprüfung der Schalter und Hebel durch einen Techniker im Cockpit. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Die Phaseninspektion ist eine Zwischeninspektion, die nach 400 Flugstunden durchgeführt wird. Sie liegt zwischen den großen Inspektionen, in denen das Flugzeug für mehrere Monate in der Werft steht und auseinandergebaut wird. „Die Phaseninspektion ist mit dem TÜV vergleichbar", erläutert der Technische Offizier, Oberleutnant zur See Dennis N.

„Bei einer Phaseninspektion wird die Innen- und Außenzelle sorgfältig durchgecheckt. Dazu gehört unter anderem die Prüfung des Kabinendrucks, der Klimaanlagen, Batterien und Flugsteuerungen“, erklärt der Flight Chief. Des Weiteren werden auch Hydraulikölproben aus der Flugsteuerungsanlage entnommen und in ein Labor nach Deutschland gesendet. „Hier werden die Proben auf den Verschmutzungsgrad und die korrekte Zusammensetzung geprüft“, erläutert der Marinesoldat weiter.

Alle 28 Tage ein Check


Das Flugzeug bekommt eine neue Schmierung. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Die 28-Tage Inspektion ist wiederum eine regelmäßige Wartung. Hier wird der technische Zustand vom Flugzeug überprüft, bei der alle beweglichen und drehenden Teile des Flugzeuges eingefettet werden. „Das ist vergleichbar mit einem Ölwechsel beim Auto“, sagt ein technischer Soldat. Bewaffnet mit einer Fettpresse begeben sich zwei Techniker unter das Fahrwerk des Flugzeuges und fetten alle beweglichen und drehenden Teile ein. Sie quetschen sich auch in die engsten Ecken. "Wir machen das immer zu zweit, der eine bedient die Presse und der andere ist das „Auge“ und setzt die bewegliche Düse an die richtige Stelle. „Das ist besonders dann notwendig, wenn die Stellen eng werden", erläutern die Beiden.

Neue Filter für die Triebwerke

Beim Filterwechsel ist Fingerspitzengefühl gefragt. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Auf der anderen Seite haben währenddessen die Triebwerker die Propelleranlage geöffnet, die Hydraulikfilter entnommen und an Obermaat H. übergeben. Der Triebwerkunteroffizier hat sich unter der Tragfläche einen Arbeitstisch bereitgestellt und fängt an, die kleine Silberkartusche zu zerlegen. Mit Hilfe einer Reißnadel löst er den Dichtungsring. „Hier sind zwei Filter eingebaut und die werden von einer Feder gehalten. Es ist eine echte Fummelarbeit diese ein- und auszubauen“, erklärt der Obermaat.

Mit Handzeichen wird kommuniziert

Kommunikation via Handzeichen. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Zeitgleich werden die Landeklappen vom Flugzeug geprüft. Hierzu sitzt ein Soldat im Cockpit und bedient die Hebel. Vor dem Flugzeug steht ein weiterer Soldat als sogenannter Winkie und gibt die entsprechenden Handzeichen an den Bediener im Cockpit. Ein dritter Soldat steht hinter den Tragflächen und gibt wiederum die Handzeichen an den Winkie. Sie sind ein eingespieltes Team und kommunizieren ohne zu sprechen. „So werden die Landeklappen einmal total ausgefahren und auf Beschädigungen überprüft. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir dann auch auf die Steuerseile, Ketten und den Gewindemechanismus zugreifen können und die ebenso mit Fett einschmieren können“, erklärt der Flight Chief.

Bis zur Abenddämmerung

Insgesamt 20 Marinefliegertechniker wuseln bei sengender Hitze den ganzen Nachmittag um das Flugzeug herum. Sie schmieren, ölen, bürsten mit einer Drahtbürste, putzen mit ihren Lappen und schrauben mit ihren Schlüsseln und Schraubendrehern bis die Sonne am Horizont untergeht. „Ich glaube wir haben heute schon viel geschafft, so dass wir morgen nur noch restliche Außenarbeiten machen müssen, bis es letztendlich an den Innenraum geht.“, erzählt der Flight Chief. Kommandant Kapitänleutnant Z. „Fliegen ist Teamwork. Die fliegende Besatzung verlässt sich voll und ganz auf die Arbeit der Techniker. Das Vertrauen in unser Personal und in die Sicherheit des Luftfahrzeugs ist Voraussetzung, um unseren Auftrag am Horn von Afrika ausführen zu können“.