Schachspiel in der Luft

 

Korvettenkapitän Stefan N. kümmert sich um den Flugraum über Djibouti. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

„Als Angehöriger des Einsatzstabes sorge ich dafür, dass die uns zur Verfügung stehenden Luftfahrzeuge je nach Aufklärungsbedarf eingesetzt werden. Hier sind eine enge Kooperation und regelmäßige Absprachen wichtig, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Stabes. Sobald die Prioritäten festgelegt sind, erteile ich die entsprechenden Einsatzbefehle", erläutert Korvettenkapitän Stefan N. seinen Auftrag.

Für den europäischen Marineverband der Atalanta-Mission ist eine enge Zusammenarbeit mit anderen Partnern wie der NATO und den eigenständig im Einsatzgebiet agierenden Nationen besonders wichtig. „Hierbei wird alles für die jeweilige Lagebewertung in Betracht gezogen", betont der Marineoffizier. „Wo stehen welche Schiffe? Wie viele Luftfahrzeuge stehen zur Verfügung und wo werden sie eingesetzt? Steht das Lagebild, schauen wir gemeinsam, wie wir die Einsatzflüge koordinieren müssen, um das Einsatzgebiet optimal zu überwachen", hebt der Marineflieger hervor.

Korvettenkapitän N.in enger Zusammenarbeit mit Soldaten verschiedener Nationen. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Die Seefernaufklärer und Hubschrauber sind daher, neben den Schiffen, ein unverzichtbares Einsatzmittel. Sie optimieren die Seeraumüberwachung. Die Bordhubschrauber arbeiten als „verlängerte Arme" der Fregatten, da sie abgesetzt vom Schiff das Seegebiet aufklären können. Die Seefernaufklärer leisten als „fliegende Augen“ einen wesentlichen Beitrag zur weiträumigen Überwachung der Schifffahrtswege am Horn von Afrika. Die in Djibouti stationierten deutschen und spanischen Seefernaufklärer vom Typ „P-3C Orion“ sind mit modernster Aufklärungssensorik ausgestattet. Diese erlaubt es, auch Objekte an Land aus großen Flughöhen zu beobachten. "Ein weiterer Vorteil ist, dass die „Orion“ flexibel ist und im Fall eines unvorhergesehenen Vorfalls schnell reagieren kann“, betont Korvettenkapitän Stefan N.

Präsenz im Transitkorridor sicherstellen

Im Golf von Aden hat sich über die Jahre eine wichtige Handelsroute für die zivile Schifffahrt etabliert: Den sogenannte Transitkorridor. „Unser Ziel ist es, mindestens einen Seefernaufklärer dort einzusetzen, sodass man flexibel und schnell reagieren kann, sofern sich dort etwas Unvorhergesehenes, wie ein Piratenangriff auf ein Handelsschiff, ereignet“, erklärt der Marineoffizier.

Als taktischer Koordinator und Mission Commander der „taktische Chef“


Durch jahrelange Erfahrung behält Korvettenkapitän N. stets den Überblick. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Als „Taktischer Koordinierungsoffizier“ ist er bereits zahlreiche Einsätze geflogen. „Als taktischer Koordinator und Mission Commander bin ich quasi der taktische Chef und leite mit dem Kommandanten des Luftfahrzeuges zusammen den Einsatzflug“, erklärt er. Während eines Einsatzfluges laufen alle Fäden bei ihm zusammen. Er bewertet die Lage, stimmt sich mit der Crew ab, entscheidet letztendlich über die weitere Vorgehensweise und darüber, welche Überwachungs- und Aufklärungssensoren eingesetzt werden. „Während des Fluges wird alles niedergeschrieben und zum Schluss im ‚Mission Report‘ detailliert zusammengefasst und an die vorgesetzten Dienststellen weitergemeldet“, erklärt der Stabsoffizier.

Erfahrungsträger mit 3.700 Flugstunden


Korvettenkapitän Stefan N. gehört zu den erfahrensten Marinefliegern in der Bundeswehr. (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Als Marineflieger hat er bereits weltweit Einsätze bestritten. Mit fast 3.700 Flugstunden zählt er zu den erfahrenen Fliegern. „Ich habe meine Fliegererfahrungen mit der ‚Breguet Atlantic‘ gesammelt und war einer der Ersten, der auf dem neuen Seefernaufklärer P-3C Orion ausgebildet wurde", ergänzt er. Die Arbeit im internationalen Stab bewertet er als positiv: „Ich habe hier am Horn von Afrika bereits viele Einsatzflüge geflogen und kenne das Einsatzgebiet bestens. Durch die gesammelten Erfahrungen kann ich meine Expertise sehr gut in die Arbeit des Stabes einbringen.“

Einsatz im Stab ist eine Horizonterweiterung

Als waschechter Marineflieger hat er eine besondere Leidenschaft für die Seefahrt. „Man erlebt das Marineleben und kann zeitgleich seine Marinefliegerexpertise einbringen. Die Arbeit im internationalen Stab ist herausfordernd, aber auch eine Horizonterweiterung. Trotz der Sprachbarriere sind wir Kameraden mit unterschiedlichen Mentalitäten und Ansichten. Deshalb finde ich die Arbeit im Stab sehr interessant. Und: Sie macht Spaß. Letztendlich verfolgen wir alle ein Ziel: „Unseren Auftrag nach besten Wissen und Gewissen zu erfüllen.“