Der Bordroutine entkommen

 

Eine Stunde der Bordroutine entkommen

Militärpfarrer Bernhard Jacobi begleitet die Lieder (Quelle: Bundeswehr/Christin Krakow)

Mit einem Läuten der Schiffsglocke und einer Durchsage über die Schiffslautsprecheranlage beginnt der einstündige Gottesdienst. Die Soldaten haben ihre Gesangsbücher aufgeschlagen, um zum Einstieg ein Lied zu singen. Die Begleitung am Keyboard übernimmt der 49-jährige Militärpfarrer selbst. „Ich versuche die Gottesdienste möglichst abwechslungsreich zu gestalten“, erläutert Jacobi. „Ich orientiere mich an aktuellen Feiertagen, aber auch an Themen, die sich aus dem Bordalltag ergeben“, beschreibt er weiter.

Für den evangelischen Militärpfarrer ist es bereits der zweite Einsatz auf einer Fregatte. Für drei Monate, manchmal auch länger, begleiten Militärpfarrer die Einsatzsoldaten und geben Ihnen Kraft und Halt, haben immer ein offenes Ohr für die Anliegen Ihrer Kameraden und bringen ein bisschen Heimatgefühl in den Einsatzalltag.

Als Seelsorger steht Jacobi den Marinesoldaten jeder Zeit als Gesprächspartner zur Verfügung. „Natürlich unterliege ich der Schweigepflicht“, betont er und ergänzt: „Das ist mir ganz wichtig“. Dabei ist es egal, ob es um Beziehungsprobleme, Sorgen zu Hause oder aber dienstliche Belange geht. „Mir sind alle Sorgen wichtig, allein der Mensch zählt, nicht der Dienstgrad, auch nicht die Konfession, oder die Geisteshaltung“, bestätigt er nickend. Bernhard Jacobi führt auch Unterrichte an Bord durch, um mit den Soldaten kritisch über ethische Fragen zu diskutieren.

20 Jahre Pfarrer - „Ich liebe meinen Beruf“

Gottesdienst an Bord der Brandenburg (Quelle: Bundeswehr/Christin Krakow)

Wenn sich Bernhard Jacobi nicht an Bord eines Schiffes befindet, kümmert er sich um die Soldaten seines Heimatstützpunktes. In Wilhelmshaven organisiert er neben den Gottesdiensten auch Rüstzeiten und führt lebenskundlichen Unterricht durch. „In Zivilgemeinden erzähle ich von meiner Arbeit und von dem, was die Soldaten leisten“, ergänzt er.

„Ich bin schon mehr als 20 Jahre Pfarrer, die letzten 12 Jahre war ich in Linnich bei Aachen. Ich liebe meinen Beruf. Der Wechsel zur Militärseelsorge bedeutete eine neue Herausforderung. Es ist die Kirche mitten in der Arbeitswelt. Und an Bord habe ich die Chance mit vielen jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Viele Schicksale gehen mir nahe, aber es gibt mir Kraft, wenn ich Menschen im Gespräch neue Perspektiven eröffnen kann“, sagt er. „Mir macht die Arbeit Spaß und ich bin glücklich mit der Aufgabe“, sagt er abschließend mit einem Lächeln