SNMCMG 1

 

Oberstabsarzt Cramer bei der Untersuchung eines Patienten, hier: Maat Winter (Quelle: 2014 Bundeswehr / Katharina Ryske)

Es ist der 19. Juni gegen 3 Uhr morgens, der Tender „Elbe“ befindet sich im Manöver BALTOPS vor Bornholm. Ein Notruf geht ein, abgegeben von dem zum Nato-Verband gehörenden norwegischen Minensuchers „Otra“: „An Bord befindet sich ein 22-jähriger Soldat mit Kopfschmerzen und teilweiser Bewusstlosigkeit“, so die ersten Übermittlungen zum Zustand des Erkrankten.

Minensucher „Otra“ (Quelle: 2014 Bundeswehr / Katharina Ryske)

Das Schiffslazarett auf dem Tender „Elbe“

Das Flaggschiff der SNMCMG 1, der Tender „Elbe“, ist der Dienstleister in See und stellt neben Kraftstoff, Wasser und Lebensmitteln auch die medizinische Versorgung im internationalen NATO-Verband sicher. Das Team des Schiffslazaretts des Tenders, bestehend aus einem Rettungsmediziner, zwei Rettungssanitätern und einem Rettungsassistenten, kümmert sich um Notfälle und kann bis zu fünf Patienten stationär aufnehmen.

Bei Bedarf ist sogar eine kurzzeitige Intensivversorgung an Bord möglich. Die Mediziner haben bereits während des multinationalen Manövers BALTOPS den „Notfall auf See“ mit den Partnernationen geübt. Jetzt wurde jedoch aus Übung Wirklichkeit.

Entscheidendes Handeln

Aufgrund der schlechten Wetterbedingungen scherte die „Elbe“ und die „Otra“ aus dem Verband aus und begaben sich unter Landschutz. Der Tender ging vor Anker und der Minensucher zur Aufnahme des Patienten Jonas S. in das Schiffslazarett längsseits der „Elbe“. „Kopfschmerzen, Übelkeit und Bewusstlosigkeit können Ausdruck einer schweren Erkrankung sein“, sagte Oberstabsarzt Cramer. Bei unklaren Symptomen müssen Patienten permanent überwacht werden. „Wir, das medizinische Fachpersonal, organisierten daher eine ständige Überwachung von Jonas“, so der Arzt weiter.

Nach dem geplanten Einlaufen am Folgetag in Kiel wurde der Patient sofort in die Uniklinik der Stadt gebracht. Leider benötigten an diesem Tag auch viele andere schwer erkrankte Patienten Hilfe, wodurch schnelle Handlungsalternativen gefunden werden mussten. Nach telefonischer Kontaktaufnahme mit dem Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg konnte Jonas S. schnell in das etwa 100 km entfernte Krankenhaus gebracht werden.

Dr. Vortkamp und der Patient Jonas S. (Quelle: 2014 Bundeswehr / Sandra Herholt)

Gute Zusammenarbeit

Die sofortige Behandlung des möglicherweise schwer erkrankten Soldaten wurde trotz großer Auslastung vom Hamburger Bundeswehrkrankenhaus zugesichert. Bereits in der Vergangenheit hat sich das BwK Hamburg immer hilfsbereit gezeigt, wenn die Flotte um Unterstützung gebeten hat, so die positiven Erfahrungen der Mediziner an Bord. Die Diagnose im Krankenhaus rechtfertigte das schnelle Handeln. „Da eine Meningitis“, so der Fachbegriff für die Hirnhautentzündung, „eine lebensgefährliche Erkrankung ist, musste umgehend eine laborchemische Untersuchung des Nervenwassers erfolgen“, sagte der behandelnde Neurologe, Dr. Vortkamp zum Vorgehen bei Ankunft des Patienten in der Notaufnahme des BwK.

Der bestehende Anfangsverdacht auf eine Hirnhautentzündung bestätigte sich hiermit. Nach Entwarnung der behandelnden Ärzte in Hamburg konnte die deutlich ansteckendere bakterielle Hirnhautentzündung ausgeschlossen werden, bei der auch alle Kontaktpersonen ein Antibiotikum zur Verhinderung einer möglichen Übertragung einnehmen müssen.

Dank der professionellen Hilfe auf See und der sofortigen Aufnahmebereitschaft im Krankenhaus konnte unverzüglich mit der Therapie begonnen werden. Dies ist ein Musterbeispiel zwischen der Zusammenarbeit des Marinesanitätsdienstes und dem Zentralen Sanitätsdienst.

Gute Besserung

Zurzeit befindet sich Jonas S. noch in der neurologischen Abteilung des Krankenhauses. Mittlerweile geht es ihm aber wieder deutlich besser: „I´m feeling very good“, so der 22 Jährige. Hinzu fügte er, dass er professionell und sehr fürsorglich behandelt wurde. Auf dem Weg der Besserung befindend, wird der Patient hoffentlich am kommenden Montag entlassen werden.