Die Ehre gebührt dem jüngsten Offizier

 

Die Nase der Fregatte "Brandenburg" ist seit kurzem gelb-rot. Im Hafen von Mayotte, einer der Hauptinseln der Komoren im südlichen Indischen Ozean, wurde sie bemalt. Gelb steht für die Passage des Suezkanals. Rot steht für die Überquerung des Äquators in Nord-Süd-Richtung. Eine blaue Nase würde ein Schiff nach dem Überqueren des nördlichen Polarkreises erhalten und schwarz für den Aufenthalt im Schwarzen Meer - die in der Deutschen Marine seltenste Nasenfarbe. Hinter dieser Farbgebung verbirgt sich eine Tradition, die in nahezu allen Marinen der Welt verbreitet ist.

Die Ehre gebührt dem jüngsten Offizier

Der Übergang auf den Bootsmannsstuhl ist nicht so einfach (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack

Nach alter Tradition gebührt dem jüngsten Offizier an Bord die Ehre, den Anstrich der Schiffsnase durchzuführen, unterstützt wird er traditionsgemäß vom jüngsten Besatzungsmitglied an Bord. „Mit 21 Jahren bin ich der jüngste Angehörige des Offizierkorps an Bord und habe mich sehr gefreut, als ich auserkoren wurde, die Bugspitze anzupönen“, sagt Oberfähnrich zur See Jan W.. „Pönen“ heißt in der Marinesprache „Streichen“.

Schweben im Bootsmannsstuhl

Ins Hafenbecken „gedippt“ (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Doch bevor er den Pinsel schwingen darf, wird er noch auf dem Bootsmannsstuhl, einem mit zwei Seilen gesicherten Brett, langsam in das Hafenbecken hinabgelassen. Bei 28 Grad Außentemperatur eine willkommene Abkühlung. Kurze Zeit später schwebt der junge Oberfähnrich zur See pitschnass wieder vor der Bugspitze.

Der rote Ring ist das Zeichen für die Überquerung des Äquators (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Nun endlich kann er seinem Tatendrang freien Lauf lassen. Zum gelben Anstrich gesellt sich jetzt auch rote Farbe. Das jüngste Besatzungsmitglied, die 19-jährige Hauptgefreite Isabell M., reicht Oberfähnrich zur See Jan W. die Malerutensilien an. Die restliche Besatzung hat sich in großen Teilen auf der Back, d.h. an der Spitze des Schiffes, versammelt und verfolgt das Schauspiel aufmerksam und ausgelassen. Der Stolz der beiden jüngsten Kameraden, diese Seefahrtstradition fortleben zu lassen, steht ihnen ins Gesicht geschrieben. „Das war eine schöne Sache und eine Riesenehre, das Ergebnis kann sich sehen lassen“, bestätigen beide, als zum Schluss die Schiffsnase der „Brandenburg“ in gelb-rotem Glanz erstrahlt.