Bayern und Finnen im Mittelmeer

 

Auf dem Weg zum Verletzten (Quelle: Finnische Marine)

Gefechtslärm wird per Lautsprecher auf dem Oberdeck abgespielt. Alle Soldaten gehen sofort in Deckung oder suchen Schutz im Inneren des Schiffs. Eine Explosion, ausgelöst durch eine Übungsgranate, lässt die Fregatte erzittern. Mit Rauchgas werden Teile des Oberdecks verqualmt. Schreie ertönen, ein Soldat ist verwundet. Die Brückenwache alarmiert Verstärkung und organisiert umgehend medizinische Hilfe.

Ein Team des finnischen Boardingteams geht zügig zum Verwundeten auf dem Dach des Hubschrauber-Hangars vor. Sie machen sich klein, bewegen sich stets im „Feuerschatten“. Schnell hat sich das Team zum Verwundeten vorgearbeitet. Er wird vor Ort versorgt, sein Abtransport wird vorbereitet. Da erschüttert eine zweite Explosion das Schiff.

Vom Admiralsdeck, dem höchsten Außendeck auf dem Schiff, hört man erneut laute Schreie. Ein weiterer Soldat wurde verletzt. Ihm muss genauso schnell geholfen werden. Ein zweites Team der finnischen Soldaten geht vor. Zügig erklimmen sie das Deck und können den Verletzten versorgen. Dabei wird ihnen der Rücken von deutschen und finnischen Soldaten freigehalten, die den imaginären Feind mit ihren Waffen bekämpfen.

Enge Zusammenarbeit

Den Gegner im Visier (Quelle: Bundeswehr/M. Schmidt)

Die Verletzten werden nun auf der bedrohungsabgewandten Seite abtransportiert und in das Innere des Schiffs gebracht. Dort wartet bereits ein Team medizinischer Spezialisten aus beiden Nationen. Die Schiffsärztin übernimmt die Weiterbehandlung der beiden angeschossenen Soldaten. Ihre Assistenten, ein finnischer Boardingsoldat und ein deutscher Kamerad unterstützen sie. Alle haben Spezialausbildungen, die sie auf derartige Verletzungen von Soldaten im Kampf vorbereitet haben. Sofort und professionell können beide Soldaten behandelt werden und sind schnell außer Lebensgefahr. Während der Behandlung informiert die Operationszentrale die Führung des Einsatzverbandes auf Kreta und fordert einen Hubschrauber zum Transport der Verletzten an.

Ein Speedboot nähert sich

Unterdessen bekämpfen die finnischen und deutschen Soldaten auf dem Oberdeck immer noch die Bedrohung. Ein kleines, schnelles Speedboot versucht jetzt, die „Augsburg“ anzugreifen. Im Boot: Personen mit Waffen. Sie drehen immer wieder auf die Fregatte zu, hält dabei aber nie konstante Geschwindigkeiten.

Warnschüsse werden abgegeben (Quelle: Bundeswehr/M. Schmidt)

Der Wachoffizier der „Augsburg“ versucht mit Fahrmanövern das Boot auszubremsen und abzudrängen. Die Soldaten an Oberdeck haben das gleiche Ziel und geben Warnschüsse in die Luft ab.

Als das Abdrängen nicht funktioniert, werden Schüsse vor dem Bug des Bootes platziert. Den finnischen Soldaten gelingt es mit ihrer präzisen Ausrüstung schließlich, die Besatzung des Bootes einzuschüchtern – das Boot dreht ab.

Dies war eine Übung, wie sie so oder ähnlich derzeit immer wieder an Bord der „Augsburg“ durchgeführt wird. Vergleichbare Szenarien sind während des Einsatzes zum Schutz der „Cape Ray“ bei MEM OPCW durchaus vorstellbar. Das routinierte Vorgehen während der Übung, das ohne die professionelle Unterstützung der finnischen Soldaten nicht so schnell möglich gewesen wäre, zeigt, dass sie eine wichtige Ergänzung für diesen Einsatz sind.