Seltene Ehre für ein deutsches Marineschiff

 

Salutschiessen vom Tower of London (Quelle: 2014 Deutsche Botschaft)

Bereits am 19. Mai 2014 machte sich die Fregatte „Niedersachsen“ mit ihrer Besatzung durch den englischen Kanal in Richtung Themse auf. Das Ziel: Der Tower of London. In Sichtweite des historischen Gebäudes sollte auch der Liegeplatz längsseits des Museumsschiffes HMS „Belfast“ nicht alltäglich sein.

Bereits beim Einlaufen in London wartete ein äußerst seltenes Salutschießen auf Schiff und Besatzung, welches zuvor auf dem Transit in der Nordsee geübt wurde. Mit jeweils fünf Sekunden Abstand, feuerte die deutsche Fregatte 19 Schuss am schönsten Liegeplatz der Themse ab.

Symbolisch waren damit die Kanonenrohre leergeschossen, um zu zeigen, dass man in friedlicher Absicht komme und keine Gefahr mehr drohe. Auf der anderen Seite der Themse sah und hörte man deutlich die Antwort des Saluts, denn auch die berühmten Beefeaters gaben 19 Schuss mit Kanonen ab. Direkt am Folgetag gab es einen Empfang an Bord der „Niedersachsen“, zu welchem Militärattachés und hochrangige Botschafter aus aller Welt geladen waren. Gekrönt war dieser Abend von einer großen Flaggenparade mit einer Serenade durch das Luftwaffenmusikkorps.

Traditionelle Übergabe des Weinfasses (Quelle: 2014 Deutsche Botschaft / Richard Lea-Hair)

Marsch zum Tower of London

Am 23. Mai war es soweit: 12 Uhr britischer Zeit marschierte die Besatzung, begleitet durch das Luftwaffenmusikkorps der Bundeswehr und den Beefeaters, zum Tower of London, um traditionell ein kleines Weinfass zu überreichen. Die erste Hürde bestand allerdings bereits darin, in den Tower zu gelangen. Denn am Tor wartete der Kerkermeister „Yeoman Gaoler“ und zwei Torwächter „Yeoman Warders“. Nachdem der Kommandant, Fregattenkapitän Kurt Leonards, ankündigte, dass er und seine Besatzung mit den „Constable’s Dues of wine“, den Abgaben in Form eines Fässchens Wein, zum Tower gekommen war, öffneten sich die Tore. Das Fässchen wurde von zwei Matrosen auf einer Spiere getragen.

Angeführt von einem Torwächter in seiner traditionellen rot-goldenen Uniform und dem Luftwaffenmusikkorps, marschierte die Formation bis zum „Tower Green“, dem Innenhof des Towers. Dort überreichte Fregattenkapitän Leonards die Abgabe an den Constable des Tower of London, General Sir Richard Dannatt.

Die Zeremonie geht auf eine rund 650 Jahre alte Tradition zurück. Im 14. Jahrhundert glaubten die englischen Könige, eine Art Maut auf Schiffe auf der Themse erheben zu müssen. Die Besatzungen der Kriegsschiffe marschierten daher mit einem kleinen Weinfass zum Burgvogt des Tower of London. Dies galt als Abgabe, um die Weiterfahrt fortsetzen zu dürfen. Die Zollabgaben währten bis in das 17. Jahrhundert fort. Danach war die Einforderung aufgrund des enormen Schiffsverkehrs auf der Themse unmöglich.

Salut von der Fregatte „Niedersachsen“ (Quelle: 2014 Deutsche Botschaft)

Highlight der 32-jährigen Schiffsgeschichte

Mit der Fregatte „Niedersachsen“ nahm nicht nur das erste deutsche Marineschiff, sondern das dritte ausländische überhaupt an dieser besonderen Zeremonie teil. Anlass war das 300-jährige Jubiläum der Verbundenheit zwischen dem deutschen Adelshaus Hannover und dem britischen Königshaus.

Unter den Ehrengästen war auch ein Vertreter der niedersächsischen Landesregierung, Staatssekretär im Ministerium für Inneres und Sport Stephan Manke. „Für die Besatzung ist die Teilnahme eine ganz besondere Auszeichnung ihrer Arbeit. Schließlich ist die Fregatte „Niedersachsen“ erst das dritte ausländische Schiff, das überhaupt zu dieser Parade eingeladen wurde", betont dieser laut Mitteilung des Innenministeriums. Für die „Niedersachsen“ gilt die Feierlichkeit „Constable’s Dues“ in London bereits jetzt als Highlight in der 32-jährigen Schiffsgeschichte.

Am 27. Mai kehrte die Besatzung, beschwingt durch zahlreiche Eindrücke aus London, zurück in den Heimathafen Wilhelmshaven. Mit dem erfolgreichen Erlebnis bereitet sich nun Schiff und Besatzung auf die nächste bevorstehende Seefahrt vor. Dem Schiff steht ein letztes Mal vor der geplanten Außerdienststellung im Sommer 2015 eine längere Seefahrt bevor: Am 16. Juli 2014 wird die „Niedersachsen“ dem ständigen NATO-Einsatzverband Standing NATO Maritime Group 2 beitreten und hierfür zunächst Richtung westliches Mittelmeer auslaufen.