Wasmacht ein "Battle Watch Captain"?

 

Kapitänleutnant Katharina G. kommuniziert mit den anderen Einheiten des Atalanta-Verbandes (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack

Kapitänleutnant Katharina G. sitzt vor dem Monitor ihres Computers, als plötzlich eine Nachricht im Chat auf ihrem Bildschirm aufpoppt. Kurz gelesen, schreibt sie unverzüglich zurück. "Es kam die Anfrage, ob einer unserer Seefernaufklärer für die Unterstützung eines anderen Verbands zur Verfügung steht", sagt sie, während sie zurückschreibt.

Sie ist einer von drei "Battle Watch Captains" (BWC) im internationalen Stab. Der BWC ist der Wachleiter des Stabes, der rund um die Uhr erreichbar ist. "Ich bin die Schnittstelle zwischen dem Kommandeur und den Schiffen der Operation Atalanta, sowie zu anderen Marineverbänden im Einsatzgebiet", erklärt die 29-Jährige. Bei ihr laufen alle Informationen zusammen. Sie filtert diese und gibt sie nach Bedarf an den jeweiligen Experten im Stab weiter.

Koordination mit anderen Partnern


Bei der Arbeit im internationalen Einsatzstab (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

"Das Seegebiet, das wir überwachen ist riesig (anderthalbfache Größe Europas) und wir als Einsatzstab müssen dafür sorgen, die uns zur Verfügung stehenden Schiffe, Hubschrauber und Seefernaufklärer so zu positionieren, dass das Einsatzgebiet optimal abgedeckt wird", betont Kapitänleutnant G. weiter. Der zu überwachende Seeraum ist riesig. Er umfasst den Golf von Aden, die Küste Somalias und einen Teil des Indischen Ozeans. Ein Gebiet einer solchen Größe können die Schiffe des EU-Marineverbandes nicht allein überwachen. Eine abgestimmte Zusammenarbeit mit anderen Partnern, wie beispielsweise der NATO oder eigenständig agierenden Nationen ist einfach unverzichtbar. "Hierzu ist eine enge Koordination mit den anderen Schiffsverbänden im täglichen Chat erforderlich", erörtert sie weiter.

Im Golf von Aden hat sich über die Jahre eine feste Route für die Handelsschifffahrt etabliert, der sogenannte Transitkorridor „IRTC“ („International Recommended Transit Corridor“). "Am wichtigsten ist, dass hier immer eine ausreichende Präsenz von Kriegsschiffen gewährleistet ist, da diese Region einer besonderen Gefährdung unterliegt", erklärt Kapitänleutnant G.

Echtzeit-Austausch im Live-Chat


Kapitänleutnant Katharina G. ist der „Battle Watch Captain“ (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Für die Planungen und den Austausch von Informationen stehen dem Stab offene und verschlüsselte Kommunikationssysteme zur Verfügung. Hard- und Software sind vergleichbar mit herkömmlichen Computern, inklusive einer Internetoberfläche, einem Browser, sowie einer Chat- und Email-Funktion. Letztere dient auch zur Kommunikation mit den Handelsschiffen und weiteren Dienststellen an Land.

"Der Live-Chat ist unser bester Freund", betont Kapitänleutnant G. weiter. Er ermöglicht eine Kommunikation in Echtzeit mit allen im Einsatzgebiet befindlichen Schiffen. Informationen werden direkt ausgetauscht, ausgewertet und weitergegeben. "Dieser Zeitgewinn ist Gold wert", beschreibt sie weiter. Insbesondere bei Piraterie-Angriffen oder bei Seenotfällen müssen schnell Sofortmaßnahmen eingeleitet werden. Dabei kann es schließlich auch um Menschenleben gehen. "Da zählt jede Sekunde und man ist auf die gegenseitige Unterstützung angewiesen", unterstreicht Katharina G. die Notwendigkeit des Austausches.

Detaillierte Analyse


Allabendliches „Flaggbriefing“ vor Flottillenadmiral zur Mühlen (2.v.r.) (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack

Jeden Abend bekommt Flottillenadmiral zur Mühlen ein sogenanntes "Flaggbriefing", einen Vortrag, in dem alle Fachbereiche die Ereignisse des Tages darstellen. Auch die Planungen für die nächsten 24 Stunden werden vorgetragen.

Für Kapitänleutnant Katharina G. ist ihre Aufgabe herausfordernd und interessant. "Ich weiß nie, was mich erwartet und jeder Tag ist anders", berichtet sie. Bevor sie ihren jetzigen Posten übernahm, konnte sie bereits zwei Monate lang an Bord des vorherigen, französischen Flaggschiffs "Siroco" ihre ersten Erfahrungen als BWC machen.

„Der Einsatzstab auf der ‚Brandenburg‘ ist erst seit wenigen Wochen unterwegs und ich kann meine Erfahrungen einbringen, so dass wir unsere Arbeitsabläufe hier an Bord noch weiter verbessern können", erläutert sie.

Wieder poppt eine Nachricht über den Chat auf. Unverzüglich dreht sie sich zum Bildschirm, liest konzentriert und antwortet prompt.