Antriebstechniker auf der "Brandenburg"

 

Bei der Prüfung des Motorraumes (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Obermaat R. läuft durch den Längsgang. Vor ihm erscheint das Schild "An Di Mot R.", er biegt rechts ab und öffnet das Schott zum Betriebsraum der Antriebsdiesel. Der Geruch von leichten Abgasen und eine Hitzewelle bläst ihm ins Gesicht. Ein ohrenbetäubendes Motorenknattern erdröhnt. Er streift sich seinen Gehörschutz über seine Ohren und betritt den Maschinenraum. Mit seiner Taschenlampe leuchtet er in jeden Winkel der Motoren und schaut nach Leckagen und Beschädigungen. "Wir von der Schiffstechnik müssen während unserer Wache kontinuierlich unsere Ronden laufen und alle technischen Anlagen prüfen. So messen wir die Ölstände, Temperaturen und Drücke. "

Gute Sinne sind gefragt

Obermaat Martin R. prüft die Gasturbine (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack

Als Antriebstechniker ist Obermaat R. auf die Wartung der Gasturbinen spezialisiert. Er und seine Kameraden sind "Herren" über 50.000 PS. Ölwechsel, Filterwechsel und sonstige Arbeiten stehen auf der Tagesordnung Tritt ein Fehler auf, nehmen die Techniker ihre Schraubenschlüssel in die Hand und bringen ihre Motoren wieder zum Laufen. "Hier wird man als Techniker richtig gefordert. Für uns gelten drei Grundregeln - Hören, Fühlen und Sehen. Jede ungewöhnliche Bewegung oder jedes Geräusch wird von uns wahrgenommen", erläutert der Obermaat mit ernster Miene.

Alles wird regelmäßig inspiziert – hier der Ölfluss des Wellentragelagers (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Als gelernter Mechatroniker bringt der 24-jährige Marineunteroffizier die notwendigen technischen Voraussetzungen mit. "Im Grunde arbeiten alle Motoren gleich. Der einzige Unterschied ist, dass die Motoren größer sind und der Aufbau sich ein wenig unterscheidet", erklärt er. Seine Fachlehrgänge für seinen Job als Antriebstechniker hat er an der Marinetechnikschule in Parow absolviert. "Den Rest lernt man Bord", betont der Marinesoldat.

Vom Mechatroniker zum Schiffstechniker

Auch außerhalb der Maschinenräume ist Martin R. unterwegs (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Seit Februar 2013 arbeitet er an Bord der "Brandenburg". Vor seiner Bundeswehrzeit hat er in einer kleinen Autowerkstatt in Niedersachsen gestanden und an Autos geschraubt. "Eines Tages sagte ich mir, das kann doch nicht alles sein", betont er. Er war neugierig und wollte etwas anderes ausprobieren und so kam es, dass er sich einen Termin bei einem Karriereberater der Bundeswehr holte.. "Ich dachte mir, die Uniform sieht toll aus, die willst du auch tragen", sagt er mit einem Schmunzeln. "Ich bin noch jung und will die Welt kennenlernen. Bei der Marine habe ich alles in einem Paket. Ich kann zur See fahren, die Welt bereisen und meine technischen Fähigkeiten bestens einbringen", erklärt Obermaat R. weiter.

Erste Seeluft geschnuppert

Ende 2012 war es dann soweit. Seine Grundausbildung als Marinesoldat absolvierte er an der Marinetechnikschule in Parow. Anschließend durfte er bei einem Praktikum die erste Seeluft auf der Fregatte "Emden" schnuppern. Bevor Obermaat R. auf der „Brandenburg“ anheuerte, stand eine Ausbildung an der Marineunteroffizierschule und eine weitere Fachausbildung auf dem Programm.

Das Bordleben eines Marinesoldaten


Regelmäßige Prüfungen sichern die Einsatzbereitschaft der Fregatte (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

Das Leben an Bord der "Brandenburg" gefällt ihm besonders. "Wir in unserer Mechaniker-Werkstatt pflegen eine tolle Kameradschaft und das Arbeiten macht riesig Spaß. Ich komme in der Welt rum und fahre Länder an, die ich so nie besucht hätte" betont er. Er gibt jedoch auch zu bedenken, dass die Seefahrt auch jeden Einzelnen vor Herausforderungen stellt.

Sein Arbeitsbereich sind die Betriebsräume im Bauch der Fregatte. Neben der stickigen Luft und dem Motorenknattern herrschen meistens Temperaturen von bis zu 60 Grad. "Wenn wir eine Reparatur durchführen schwitzt man mehr als ein Hemd durch. Für mich und meine Kameraden lohnt sich aber jede Arbeit, da am Ende die Fregatte antriebstechnisch einsatzbereit bleibt.

"Stadtwerke Brandenburg"

Am Kommandopult im Schiffstechnischen Leitstand der „Brandenburg“ (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonak)

Wenn sie nicht gerade schrauben, dann sitzen sie im Schiffstechnischen Leitstand (Abk. STL). Der STL ist "Arbeitsmuskel und Herz des Schiffes". Hier sitzen die Schiffstechniker an ihren Kommandopulten und überwachen ihre Anlagen. "Von hier aus wird das Schiff angetrieben, die Stromproduktion gesteuert, die Klimaanlagen betrieben, das Frischwasser erzeugt, Abwasser aufbereitet und beseitigt", erklärt Schiffstechniker R. weiter.

Immer bereit stehen

„Wir sind ein gutes Team“ – Obermaat Martin R. über seine Kameraden (Quelle: Bundeswehr/Sascha Jonack)

„Wir Schiffstechniker müssen rund um die Uhr verfügbar sein. Daher gehen wir Schichten, die sogenannten Seewachen. Es ist keine Seltenheit, dass man auch mal mit weniger Schlaf auskommen muss. Die einzige Zeit, wo man schlafen kann, ist zwischen 18 und 7 Uhr. Wenn man eine Wache dazwischen hat, dann muss man halt mit weniger auskommen. Aber daran gewöhnt man sich", sagt Obermaat R.

Die „Brandenburg“ ist noch bis zum 6. August am Horn von Afrika unterwegs. Am 22. August werden Obermaat R. und der Rest der Besatzung wieder in ihrem Heimatstützpunkt Wilhelmshaven zurück erwartet. Bis dahin wird er noch weitere Seemeilen und Erfahrungen sammeln. "Genau das, was ich wollte. Wenn ich zurückblicke, meine ich, dass ich alles richtig gemacht habe", hebt R. hervor. "Ich könnte mir sogar vorstellen, als Bootsmann noch weiterzumachen", sagt er mit dem Blick in die Zukunft.