Sicherheit an Bord der "Rhön"

 

Der Tanker „Rhön“ (Quelle: Bundeswehr/Christin Krakow)

Über eine eigene Bewaffnung verfügt der Tanker nicht. In einer bedrohlichen Situation würde der Schutz von solchen Unterstützungsschiffen beispielsweise durch Fregatten oder Korvetten mit übernommen werden. Im „Atalanta“-Einsatz ist die „Rhön“ vielfach alleine, als sogenannter „Einzelfahrer“, unterwegs.

Der Tanker ist im wesentlichen mit zivilen Seeleuten besetzt. Der Schutz des Betriebsstofftransporters wird durch Soldaten eines sogenannten „Vessel Protection Detachments“ (VPD) gewährleistet. Das sind besonders geschulte Soldaten der Marineinfanterie. Sie gehören zum Seebataillon der Marine und unterstützen unter anderem auch zivile Schiffe bei der Abwehr von Piratenangriffen.

Üben für den Ernstfall

Bei Alarm bezieht jeder seinen Posten (Quelle: Bundeswehr/Christin Krakow)

Das Zusammenspiel zwischen der Besatzung und den Soldaten des Seebataillons wird immer wieder geübt. Drei Mal läutet die Alarmklingel im ganzen Schiff. „Annäherung, Annäherung - Besatzung auf Gefechtsstation!“, hallt es durch die Lautsprecheranlage. Jedes Besatzungsmitglied hat für den Ernstfall eine klar definierte Aufgabe an einem festgelegten Ort auf dem Schiff, Gefechtsstation genannt, zugeteilt bekommen. Nach und nach melden alle Stationsleiter die Vollzähligkeit des eingeteilten Personals an die Brücke. Dort befindet sich der Kapitän der „Rhön“, Egon Rhauderwiek.

Perfekt ausgerüstet


Nachts wird die Sicherheit durch Wärmebild- und Nachtsichtgeräte gewährleistet (Quelle: Bundeswehr/Christin Krakow

Alle Türen des Schiffes, auch „Schotten“ genannt, werden schnell verschlossen. Die Soldaten vom „Vessel Protection Detachment“ ziehen ihre Schutzausrüstung an und positionieren sich auf ihren Gefechtsstationen. „Zu unserer persönlichen Ausrüstung zählt u.a. eine Schutzweste, Gehörschutz, Teamfunk sowie ein Gewehr und eine Pistole“, erklärt Oberbootsmann G., der Teamführer. „Nachts nutzen wir zusätzlich Nachtsicht- und Wärmebildgeräte“, fügt er hinzu. Der kontinuierliche Informationsaustausch mit dem Kapitän wird über Funkgeräte sichergestellt.

Die niedrige Bordwand der “Rhön“ wurde mit Stacheldraht abgesichert (Quelle: Bundeswehr/Christin Krakow)

Die niedrige Bordwand der “Rhön“ wurde vom VPD-Team mit einer Stacheldrahtsperre abgesichert, um ein schnelles Erklimmen von außen zu verhindern. „Unsere Waffen werden dem Schiffstyp und dem Einsatzspektrum angepasst“, erläutert der Teamführer und deutet auf eine Gefechtsstation auf dem Oberdeck, die mit Maschinengewehren verschiedenen Kalibers und Granatwerfer ausgestattet ist. Die Teams sind dafür ausgebildet, Boote und Schiffe der Marine sowie auch Handelsschiffe sichern zu können. „Zu meiner Ausbildung gehörten Schießlehrgänge, Nahkampf- und eine erweiterte Sanitätsausbildung, ein Training ‚Überleben auf See‘ und auch Lehrgänge im Orts- und Häuserkampf“, sagt Oberbootsmann G. mit dem Blick zurück.

Medizinische Versorgung nicht nur für den Ernstfall

„Corpuls C3“ kann als Defibrillator, Patientenmonitor und Blutuntersuchungsgerät eingesetzt werden (Quelle: Bundeswehr/Christin Krakow)

Während der Übung sind auf dem Oberdeck nur das VPD-Team und der Sanitätsmeister, Oberstabsfeldwebel Carsten B., zu sehen. Er ist ebenfalls extra für „Atalanta“ an Bord der „Rhön“ eingeschifft worden. Er kümmert sich um die medizinische Versorgung der Soldaten des VPD-Teams und der 42-köpfigen Besatzung. Seine Ausrüstung ist modern. „Erstmals haben wir ein Multifunktionsgerät, den ‚Corpuls C3‘ dabei“, sagt Carsten B., „in dem Gerät sind mehrere Funktionen vereint. Es dient beispielsweise als Defibrillator, Patientenmonitor und Blutuntersuchungsgerät“, erklärt er. Normalerweise befindet sich kein Sanitätsmeister oder Arzt an Bord des Tankers. Die medizinische Versorgung der Besatzung wird dann von speziell geschulten Brückenwachoffizieren der „Rhön“ sichergestellt.

„Diese Übung ist beendet“, hallt es aus dem Lautsprecher. Im Abschlussgespräch lobt Kapitän Egon Rhauderwiek die Zusammenarbeit zwischen den eingeschifften Soldaten und der Besatzung. Anschließend kehrt jeder wieder an seinen Arbeitsplatz zurück und die „Rhön“ setzt ihre Fahrt als „schwimmende Tankstelle“ zur Versorgung der Schiffe im Indischen Ozean fort.