Von anderen lernen

 

Kadetten vertiefen den Umgang mit Kompass und Karte (Quelle: 2014 Bundeswehr / Klemens Klabunde)

Zu Beginn der Reise war ich eher skeptisch als es hieß: „Sie sind eine Woche mit britischen Officer Cadets (OC´s), die erst drei Wochen bei der Royal Navy sind, im Feld unterwegs und lernen alles mit, was die OC´s auch lernen.“ Schließlich sind wir schon einige Monate dabei und haben bereits viel gelernt. Ich wurde eines besseren belehrt.

Zwar durften wir deutschen Offizieranwärter zum x-ten Mal lernen wie der Kompass funktioniert oder wie man ein Zelt aufbaut, aber, das Ganze in einer anderen Sprache „neu“ zu lernen, war eine ganz andere Hausnummer. Zudem mussten wir uns mit der ganz speziellen Art und Weise der Royal Marines auseinandersetzen, die nicht gerade für ihre nette Umgangsart bekannt sind. Das machte die Sache zu einer zusätzlichen Herausforderung für jeden Einzelnen von uns.

Geländeausbildung in Dartmoore (Quelle: 2014 Bundeswehr / Klemens Klabunde)

Raus in die Natur

Nachdem wir uns mit einer Transall der Luftwaffe Richtung BRNC auf den Weg machten und in den darauffolgenden Tagen unser „Kit“, also unsere Ausrüstung und die dazugehörige Einweisung bekommen hatten, ging es am Samstag auch schon los Richtung Dartmoore. Ein Naturpark mit ca. 50 km² Fläche, in dem gefühlt ein Baum stand, der vor eventuellem Wind schützen könnte. Hinzu kam, dass das Wetter in Dartmoore nicht gerade beständig war - von Sonnenbrand bis hin zu Hagelschauern war alles dabei.

Zusammenfassend waren die fünf Tage in Dartmoore eine Art abgespeckte Grundausbildung. In dieser Zeit lernten die OC´s wie man ein Zelt aufbaut, wie man sich im Felde orientiert oder wie man sich nachts, nachdem man in einen bitterkalten Fluss gesprungen ist, warm bettet, um am nächsten Tag wieder fit zu sein. Dazu gehört natürlich auch das fast täglich stattfindende Sportübungen (PT=Physical Training) und die immer am Mann befindliche volle Ausrüstung inklusive dem Gewehr SA-80.

Ausbau der Führungsqualitäten und des Teamworks (Quelle: 2014 Bundeswehr / Klemens Klabunde)

Führungsqualität im Team

Nachdem wir uns die ganze Woche mit PT am Morgen und „ab in den Fluss“ am Abend durchgebissen hatten, ging es für die letzten zwei Tage zurück zum BRNC, um hier in gestellten Lagen die Führungsqualitäten im Team festzustellen und zu verbessern. So galt es z.B. Hindernisse zu überwinden oder „Minenfelder“ zu umgehen. Hierbei wurde großen Wert auf die Auswertung der einzelnen Lagen gelegt, um uns möglichst viel mitgeben zu können. Da wir sieben Tage non-stop in Aktion standen, kann man sich vorstellen, wie geschlaucht wir waren. Verdient fielen wir am letzten Tag in unser kuschelig warmes und zuvor noch nie so geschätztes Bett.

Trotz der ganzen Anstrengungen und Strapazen muss ich sagen, dass ich diese ganzen Erfahrungen nicht missen möchte. Ich habe in dieser einen Woche viele Gemeinsamkeiten aber auch viele Unterschiede zwischen dem deutschen und dem britischen Führungsstil kennen gelernt, die mir vorher nicht bekannt waren oder denen ich mir vorher nie wirklich bewusst war. Hinzukommt die unglaubliche Gastfreundschaft der britischen OC´s, die uns alle sofort in ihrer Mitte aufnahmen. Ich habe viele gute Freunde während meiner Zeit am BRNC kennen gelernt und hoffe, dass man sich in naher Zukunft wieder sieht.

Deutsche und englische Kadetten beim Zeltbau (Quelle: 2014 Bundeswehr / Klemens Klabunde)

Anstrengende Tage im Gelände (Quelle: 2014 Bundeswehr / Marineschule Mürwik)

Britannia Royal Navy College im englischen Darthmouth (Quelle: 2014 Bundeswehr / Enrico Bosse)