Allein unter Männern

 

Hat es geschafft: Oberleutnant zur See Janine Asseln ist Wachoffizier (Quelle: 2014 Bundeswehr / Udo Hallstein)

Nachdem die gebürtige Eckernförderin sich in den Kopf gesetzt hatte, Uboot zu fahren, konnte sie nichts mehr davon abbringen. Zunächst machte sie ein Praktikum an Bord und war sofort begeistert. Als sie dann durch die Karriereplanung Minenjagdboot fahren sollte, kämpfte sie darum, doch in Eckernförde eingesetzt zu werden. Sie wollte unbedingt auf ein Uboot.

Simulator im Ausbildungszentrum Uboote (Quelle: Bundeswehr / Archiv)

Der steinige Weg zum Erfolg

Auf dem Weg dorthin lagen einige Hürden. Der erste Abschnitt war die intensive Simulatorausbildung am Ausbildungszentrum Uboote in Eckernförde. Hier werden die angehenden Ubootfahrer in einer nachgebauten Operationszentrale darauf vorbereitet, die sogenannte Überwasserlage aufzubauen und zu führen. Per Sonar werden Kontakte ermittelt, der Schüler bekommt deren Peilung und Abstand gemeldet. Danach erfolgt sein Blick durch das Sehrohr. Dann bleiben ihm (oder ihr) maximal zehn Sekunden, um die Gefahr durch andere Schiffe zu beurteilen.

Bereits anhand dieser ersten Beschreibungen kann man sich vorstellen, dass die jungen Soldaten einer hohen Belastung ausgesetzt sind. „Hier zeigt sich, ob die Anwärter Abstraktionsvermögen haben. Können sie sich die Lage über Wasser vorstellen, die Informationen, die sie bekommen haben, richtig interpretieren und dann noch die passenden Entscheidungen fällen“, beschreibt Kapitänleutnant Christopher Dekrell, ein erfahrener Wachoffizier. „Dieses räumliche Vorstellungsvermögen kann man nur in Teilen antrainieren. Das hat auch nichts mit Intelligenz zu tun, es muss in großen Teilen einfach vorhanden sein.“

Archivfoto: U 33 in Fahrt (Quelle: © HDW-YPS / Peter Neumann)

Die Fahrt der entscheidenden Prüfung

Erst nach Monaten ist dieser Abschnitt überstanden. Unter Wasser ist kein Platz für Fehler. Deshalb ist das Auswahlverfahren entsprechend hart. Während der Ausbildung droht praktisch ständig der „rote Brief“, der einen darauf hinweist, dass der Ausbildungserfolg gefährdet ist. Nach dem Ende dieser Phase kommt jedoch keine Pause, sondern die nervenaufreibende, mehrwöchige Schülerfahrt an Bord eines Ubootes.

Dieser anstrengende Teil ist für viele Offiziere die letzte Seefahrt an Bord eines Ubootes, denn circa ein Drittel der Anwärter besteht die Schülerfahrt nicht. „Ich habe teilweise gedacht: Warum mache ich das eigentlich? Warum quäle ich mich hier so?“, erzählt Oberleutnant zur See Asseln.

Die Wachoffizierschüler werden ständig mit Informationen gefüttert, die sie in die Gesamtlage einfügen müssen. Eine Konsole meldet etwa einen möglichen Torpedo, aus der Technik kommt eine Störung und nicht zuletzt fragt einen der Kommandant ständig etwas. Diesen Teil kennen die Anwärter eigentlich schon aus der Ausbildung, aber hier ist es echt, an Bord, unter Wasser, mit echten Schiffen um einen herum. Und wenn es nicht zusätzlich noch den Schülerordner gäbe. Hier sind seitenweise Einweisungen, Vorschriften und kleine Prüfungen aufgelistet, die den Soldaten von dem ersehnten Leistungsnachweis I, der Befähigung das Boot zu fahren, trennen.

Die Auswertung der Wetterdaten gehört zur Vorbereitung (Quelle: 2014 Bundeswehr / Dana Schubert)

Arbeit, Arbeit - und kaum Schlaf

Der Ordner muss in den Freiwachen, also wenn man eigentlich schläft, abgearbeitet werden, so dass die Anwärter bereits nach ein paar Tagen einem unheimlichen Stress ausgesetzt sind. Das ist keine Schikane sondern testet den Schüler, ob er in möglichen Extremsituationen schlichtweg überstehen würde. Janine Asseln erinnert sich an diese Zeit: „Ich war wirklich am Boden, aber die anderen an Bord haben mich immer wieder ermutigt. Ich habe noch nie aufgegeben und wollte jetzt nicht damit anfangen.“

So konnte sie sich aufrappeln und als erste Frau neben den männlichen Anwärtern bestehen. Bereits drei Soldatinnen haben es vor ihr probiert, sind aber an der letzten Prüfung, der Schülerfahrt, gescheitert.

Archivfoto: „U 34“ taucht auf (Quelle: Thomas Hegenbart)

„Gibt es etwas Cooleres?“

Den Weg zur Marine hat Oberleutnant zur See Asseln durch ihren Vater gefunden. Der ehemalige Marineflieger motivierte sie, sich die Truppe näher anzuschauen. „Ich bin sozusagen mit der Marine aufgewachsen. Daher lag es nah, dass ich mich dafür interessiere. Und dann noch der Stützpunkt in Eckernförde, den ich von klein auf an kenne, da war ich ja auch neugierig“, versichert die 27-Jährige.

Und bereut hat sie das nicht. „Gibt es etwas Cooleres, als Uboot zu fahren? Ich glaube nicht!“ Das Besondere an den Booten hätte sie gereizt, die Kunst zu beherrschen, unentdeckt zu bleiben. Einer von nur wenigen zu sein. Jetzt ist sie sogar die erste und einzige Frau auf der Brücke und hat gezeigt, dass man es schaffen kann, wenn man will.

Die Strapazen der Ausbildung hätte sie wohl nicht ohne die Unterstützung ihrer Kameraden überstanden. „Ich mag das Zusammengehörigkeitsgefühl bei uns, das Familiäre. Jeder kennt jeden sehr gut. So will ich arbeiten.“ Den wichtigsten Schritt hat sie geschafft. Und so, alleine unter 27 Männern, muss sie sich jetzt als vierter Wachoffizier an Bord eines Ubootes beweisen.