EAV 2014:

 

Uboot-Jagd bei „Dynamic Mongoose“ (Quelle: 2014 NATO)

Das große Manöver konnte aufgrund des Wetters erst verspätet beginnen. So mussten die teilnehmenden Einheiten Schutz in den Fjorden von Norwegen suchen, um dort „abzuwettern“, wie der Seemann sagt. Nicht nur die Einheiten des EAV, sondern auch die zivile Schifffahrt suchte hier Schutz. Dadurch ergab sich ein überdurchschnittlich hoher Schiffsverkehr in den engen Gewässern. Die Nautiker und das Brückenpersonal der Einheiten wurden dadurch zusätzlich gefordert. Eine unbeabsichtigte, aber sehr lehrreiche Erfahrung für die Frauen und Männer auf den Brücken.

Nachdem wegen des schlechten Wetters zunächst nur die Uboote gegeneinander übten, wurde es am Samstag dann für alle ernst. Alle an dem Manöver beteiligen Einheiten waren auf Position. Die „Jagd“ begann. Nun waren die Spezialisten an Bord gefragt, über und unter Wasser. Auf dem Wasser waren die Schiffseinsatzoffiziere (SEOs) und Führungsmittel- und Waffeneinsatzoffiziere (FWOs) mit ihren Teams gefordert, unter Wasser zeigten die Ubootbesatzungen ihr Können.

Suche nach einem fast unsichtbaren Gegner (Quelle: 2014 NATO)

Drei gegen den Rest

Als Gegenspieler standen drei moderne Uboote aus Norwegen, Frankreich und Portugal zur Verfügung. In über 20 verschiedenen Übungen trainierten Schiffe, Flugzeuge und Hubschrauber die Ortung und Verfolgung der Uboote. Jeder Schiffstyp und jedes Flugzeug hat ganz spezielle Fähigkeiten und Eigenschaften in der Ortung von Ubooten. Die Kunst während „Dynamic Mongoose“ war es, diese Fähigkeiten zusammenzuführen und die Vorteile aller Systeme zu nutzen - eine große Aufgabe. Die SEOs und FWOs zeigten ihre ganze Professionalität und ihre gute Ausbildung, wodurch ihnen die rechtzeitige Ortung der Uboote gelang.

War ein Uboot durch ein Schiff oder Flugzeug entdeckt, musste schnell gehandelt werden: Die zu beschützenden Schiffe wurden umgeleitet, die Ubootposition an alle Teilnehmer gemeldet. Nur zu schnell war das Uboot von der Position verschwunden und nicht mehr wieder zu finden. Daher wurden Flugzeuge zügig zu der Fundstelle geführt, Hubschrauber hoben ab und sicherten den Verband.

Auf der Brücke: Lagebesprechung mit Commodore Stensønes (Quelle: 2014 NATO)

Spannung in der Luft

In den Operationszentralen der Schiffe war die Spannung mit Händen greifbar. Ist es wirklich ein Uboot, oder doch nur ein Wrack, das per Sonar geortet wurde? Wie wird sich das Uboot verhalten? Können die Schiffe noch rechtzeitig umgeleitet werden, um sie vor einem Angriff durch das Uboot zu schützen? Die SEOs und FWOs in den Operationszentralen gaben zügig präzise Befehle. All die notwendigen Anweisungen wurden in englischer Sprache und mit taktischen Signalen durchgegeben. Die einheitliche Befehlsgebung in der NATO macht das Handeln für alle verständlich und vermeidet Missverständnisse.

Schnell wurden zwei Schiffe benannt, welche sich aufmachten, das geortete Uboot abzudrängen. Entschlossen scherten die beiden mit modernen Waffen ausgestatteten Fregatten aus und fuhren in Richtung des Sonarkontakts. Das Uboot gab nach, angesichts der Bedrohung zog es sich zurück - vorerst. Durch entschlossenes Handeln konnten die zu schützenden Einheiten erfolgreich verteidigt werden.

Uboot „Utsira“ und Fregatte „Thor Heyerdahl“ (Quelle: 2014 NATO)

Teamarbeit pur

In vielen verschiedenen Szenarien wurden die Ujagd-Teams beübt. Wie findet man ein Uboot, wie verdrängt man es, wie verhindert man einen erfolgreichen Einsatz eines Ubootes, wie sichert man ein Seegebiet gegen ein Eindringen eines Ubootes? Das alles sind Fragen, auf die ein SEO bzw. FWO eine Antwort haben muss. Daneben ist seine Kreativität gefragt. Er muss sich in die Lage des Uboot-Kommandanten hineinversetzten, muss abschätzen können, was dieser denkt, welche Entscheidungen er trifft.

„Wie kaum ein anderer Bereich ist die Ujagd eine Teamaufgabe“, erklärt der Erste Schiffseinsatzoffizier der Fregatte „Hamburg“, Kapitänleutnant Judith Zeug. „Zwar stehen die Mitglieder des Ujagd-Teams im Fokus, doch erfolgreiche Ujagd ist ohne eine reibungslose Zusammenarbeit mit anderen Bereichen des Schiffes wie den Soldaten, die für die Leitung der Helikopter verantwortlich sind, dem Rest der Operationszentrale oder der Brücke, nicht durchführbar“, beschreibt sie die Komplexität. „Dynamic Mongoose hat uns die seltene und überaus spannende Gelegenheit geboten, mit einer großen Anzahl an Schiffen, Luftfahrzeugen und Ubooten aus verschiedenen Nationen gemeinschaftlich zu üben“, sagte Zeug abschließend.

Nach über 100 Stunden Uboot-Jagd und insgesamt zwölf Tagen Seefahrt beendete der Einsatz- und Ausbildungsverband das erste große Manöver im Hafen Oslo. Dort gabt es die Gelegenheit, Stadt und Menschen kennenzulernen, sich mit den Kameraden der anderen Schiffe auszutauschen, oder einfach nur den verpassten Schlaf nachzuholen.