Segelvorausbildung Teil III

 

Halsemanöver beim Nachtsegelexerzieren (Quelle: 2014 Bundeswehr / Sarah Meyer)

Knapp zwei Wochen Segelvorausbildung liegen bereits hinter den 99 Kadetten der „Gorch Fock“. Die bisher gelernten Dinge - Auf- und Niederentern, Zusammenhänge in der Takelage, Segel los- und wieder festmachen, Stationseinteilungen, Segelmanöver - wollen in kurzer Zeit aufgenommen, umgesetzt und auch begriffen werden. Die Takelage der „Gorch Fock“, mit ihren 45 Meter hohen Masten, 23 Segeln, gut 2.000 m² Segelfläche, rund elf Kilometern Tauwerk, 300 Blöcken und Umlenkrollen, sowie knapp 200 Belegnägeln will beherrscht sein.

Hinzu kommen die völlig neue und ungewohnte Umgebung, wenig Platz, Nachtwachen, Schlafen in Hängematten, kaum Privatsphäre sowie einige Dinge mehr. Zusammen mit der nicht unerheblichen körperlichen Belastung stellt dieses Lernpaket für die Kadetten eine echte Herausforderung dar. Das stetige Üben verhilft den Kadetten aber zu mehr und mehr Sicherheit.

Selbstverständlich wird die Crew nie alleine gelassen. Den aktuell 99 „Segelschülern“ stehen rund 70 Ausbilder zur Seite; vom Ausbildungsleiter über die Segeloffiziere, die erfahrenen Wachführer, die Ausbildungsunteroffiziere bis hin zu rund 40 Mann der Segelcrew. Dies sind bereits erfahrene Mannschaften, die in die Wachgruppen der Kadetten verteilt sind und überall erklären, ermuntern und helfend zur Hand gehen. Alle Ausbilder zusammen sorgen letztlich dafür, dass die Abläufe reibungslos und vor allem sicher vonstattengehen – was nicht im Widerspruch dazu steht, dass die Offizieranwärter an Bord des Segelschulschiffes ordentlich gefordert werden.

Ausbildung bei Einbruch der Dunkelheit (Quelle: 2014 Bundeswehr / Sarah Meyer)

Das Nachtsegelexerzieren

Den Abschluss der Segelvorausbildung bildet - quasi als Testlauf - unter den kritischen Augen des Kommandanten das sogenannte Nachtsegelexerzieren. Denn auch unter den erschwerten Bedingungen der Dunkelheit müssen die Abläufe und Handgriffe sitzen. Der Nachmittag dieses letzten Tages der Segelvorausbildung ist für die Kadetten dienstfrei, damit sie ausgeruht mit Einbruch der Dunkelheit wieder antreten können.

Unter dem Kommando des Ersten Offiziers wird dann das gesamte Programm - vom Aufentern und Losmachen der Segel über das Setzen der Segel und Brassen der Rahen, dem Durchfahren aller Segel- und Notmanöver bis hin zum abermaligen Aufentern und Festmachen aller Segel - in einem rund 3-stündigen Programm stramm durchgezogen.

Auslaufmusterung auf der „Gorch Fock“ (Quelle: 2014 Bundeswehr / Achim Winkler)

Nachdem alle Kadetten wieder an Deck und die Stationen aufgeklart sind, erschallt das Kommando „Steuerbord achteraus“. Die Kadetten und Ausbilder treten auf dem Mitteldeck mit Blick zum Heck des Schiffes gerichtet und mit gespannter Erwartung an, damit der Kommandant von der Brücke aus seine Manöverkritik anbringen kann. Im aktuellen Fall geizt er nicht mit Lob: „Was Sie alle heute Abend gezeigt haben, hat mich wirklich überzeugt und ich freue mich, mit einer gut ausgebildeten Crew in Kürze in See zu stechen. Das, was ich hier heute gesehen habe, gehört zu dem Besten, was ich bisher insgesamt gesehen habe; und glauben Sie mir bitte - ich habe schon eine Menge gesehen“, sagte Kapitän zur See Helge Risch zu den Soldaten.

Mit einem ausdrücklichen Dank an die Ausbilder für ihre geleistete Arbeit, einem ebenso ausdrücklichen Dank an die Crew der Kadetten für ihre gute Motivation, einem „Bravo Zulu“, dem Signal für „gut gemacht“ aus dem NATO-Signalbuch, sowie einem anschließenden freien Bier oder Softdrink ist die Segelvorausbildung im Hafen von Santa Cruz de Tenerife erfolgreich abgeschlossen.

Kurz nach dem Auslaufen werden die Segel gesetzt (Quelle: 2014 Bundeswehr / Achim Winkler)

Leinen los und Segel setzen

Alles ist gespannt auf die Seefahrt, aber noch ist es nicht soweit. Der folgende Tag bedeutet noch einmal viel Arbeit. Rund 20 Tonnen Verpflegung und Kantinenwaren müssen aus einem großen LKw per Menschenkette Hand über Hand bis ganz unten ins Schiff transportiert und dort in den Lasten verstaut werden. Für den anstehenden elftägigen Seetörn mit Kurs auf Portimao an der Algarve-Küste im Süden Portugals soll auch die Versorgung der über 200 Köpfe starken Besatzung gesichert sein..

Nach einem weiteren freien Wochenende im Auslandshafen heißt es dann endlich „Schiff seeklar machen“. Nachdem der letzte Müll von Bord gebracht wurde, das Schiff auf eigene Stromversorgung umgeschaltet hat, die Vollzähligkeit der Besatzung überprüft wurde und letztlich der Hafenlotse an Bord gekommen ist, fehlt nur noch das Kommando „Alle Leinen los und ein“. Unter Segeln gleitet die „Gorch Fock“ langsam aus dem Hafen von Santa Cruz. Leider ist der Himmel an diesem Morgen anders als an den vergangenen Tagen bedeckt und grau. Aber das ist egal – endlich unterwegs!

Die „Gorch Fock“ in Vollzeug bei Nacht (Quelle: 2014 Bundeswehr / Sarah Meyer)

Offizieranwärterin beim Lernen (Quelle: 2014 Bundeswehr / Sarah Meyer)

Allemannsmanöver bei der Proviantübernahme (Quelle: 2014 Bundeswehr / Achim Winkler)

Schlafen in Hängematten (Quelle: 2014 Bundeswehr / Achim Winkler)

Kommandos durch die Flüstertüte (Quelle: 2014 Bundeswehr / Achim Winkler)

Auslaufen aus Santa Cruz (Quelle: 2014 Bundeswehr / Achim Winkler)

Kommandant „Gorck Fock“ während der Segelvorausbildung (Quelle: 2014 Bundeswehr / Sarah Meyer)