Tampen, Tops und Takelage Segelvorausbildung Teil I

 

Segel setzen im Hafen von Santa Cruz de Tenerife (Quelle: 2014 Bundeswehr / Achim Winkler)

Die Bezeichnung „unter afrikanischer Sonne“ mag nicht ganz korrekt sein, aber vor der Küste Marokkos gelegen, befinden sich die Kanarischen Inseln geografisch bekanntlich in afrikanischen Breiten. Im Hafen von Teneriffas Inselhauptstadt Santa Cruz liegt Anfang Februar 2014 das Segelschulschiff der Deutschen Marine, die „Gorch Fock“. Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen sind die Voraussetzungen für die anstehende Ausbildung an Bord hier deutlich besser als sie es zu Hause im Heimathafen Kiel wären.

Gute Bedingungen für die 99 Kadetten des 2. Törns der Offizieranwärtercrew VII/2013, um die seemännische Basisausbildung an Bord des Segelschulschiffes zu beginnen. Ende Januar sind die jungen Marineoffizieranwärter und -anwärterinnen eingeflogen worden und absolvieren zunächst eine etwa 14-tägige Segelvorausbildung, bevor sie dann für weitere fünf bis sechs Wochen mit dem Schiff in See stechen.

Aufentern in die Masten (Quelle: 2014 Bundeswehr / Achim Winkler

Warum eine Segelvorausbildung?

Die mit drei Masten ausgerüstete Bark „Gorch Fock“ wurde als Segelschulschiff konzipiert. Im Klartext bedeutet dies, dass die gesamte Bedienung der Segel und der Takelage von Hand und mit reiner Muskelkraft geschieht. Die Stammbesatzung allein könnte das Schiff nicht segeln. Dazu sind die Kadetten an Bord fest mit eingeplant. Diese direkte Einbeziehung macht es wiederum erforderlich, dass die „Lehrlinge“ genau wissen, was auf welches Kommando zu geschehen hat - und dies auch unter ungünstigen Bedingungen wie beispielsweise Dunkelheit. Eine falsche Leine zu lösen, könnte fatale Folgen haben.

Am Anfang der Segelvorausbildung stehen die Einweisung in die persönliche Ausrüstung und die Sicherheitsbestimmungen. Beides hängt letztlich direkt zusammen. Die persönliche Ausrüstung besteht im Wesentlichen aus dem Toppsgurt, in etwa vergleichbar mit einem Klettergurt. Eingearbeitet sind feste Metallschlaufen - sogenannte „Augen“, an denen Karabinerhaken befestigt sind. Mithilfe dieser können sich die Soldaten in der Takelage einhaken, im Marinedeutsch „einpicken“ genannt, und so sichern. Eine Ruckbremse sorgt dafür, dass bei einem Abrutschen der Fall abgebremst und aufgefangen wird.

Die Belehrungen und Unterrichtungen zum richtigen und damit sicheren Verhalten in der Takelage folgen auf dem Fuße, bevor die Kadetten zum Eingewöhnen erstmalig in die Masten „aufentern“.

Unterricht: „Segel Hafenmäßig packen“ an Oberdeck (Quelle: 2014 Bundeswehr / Sarah Meyer)

Schritt für Schritt

Erst im nächsten Schritt wird dann auf die Rahen, an denen die Segel befestigt sind, umgestiegen und „ausgelegt“ - immer noch unter permanenter Aufsicht und Anleitung. Parallel erfolgen Unterrichte über die Bezeichnung der Segel und die Zusammenhänge in der Takelage. „Fallen“, „Geitaue“, „Gordinge“, „Toppnanten“, „Schoten“, „Brassen“ und weitere Begriffe sind den jungen Offizieranwärtern in der Regel völlig fremd. Am Modell lassen sie sich aber gut und schnell erklären. Zusätzlich zum Verstehen dieser Begriffe müssen sie dann auch noch möglichst schnell lernen, wo jede einzelne Taue zum Bedienen der Segel an Deck zu finden ist - knapp 200 an der Zahl. Stück für Stück geht es dann weiter.

Die gesamte Crew wird auf die Segelstationen verteilt, jeder erhält seine feste Position. Auf der Basis dieser Verteilung, der Toppseinteilung, wird dann das koordinierte Aufentern geübt und danach die Segel erstmalig losgemacht, damit sie anschließend gesetzt werden können. Zum Losmachen sowie irgendwann wieder zum Festmachen bewegen sich die Kadetten in den Wanten und auf den Rahen; die gesamte Bedienung der Segel erfolgt ansonsten von Deck aus.

Kadetten mit der „Flunder“ in der Hand (Quelle: 2014 Bundeswehr / Sarah Meyer)

Lernen, lernen, lernen

Mit der Toppseinteilung, dem Losmachen und Setzen sowie dem Bergen und Festmachen der Segel ist der erste große Schritt getan. Der Lernprozess geht aber weiter. Kaum einer hat an dieser Stelle schon komplett die „Nagelkunde“ verinnerlicht, das Wissen um die Verteilung der Bedienleinen, des sogenannten „laufenden Gutes“, auf den Nagelbänken.

In jeder Pause und bei sonstigen Gelegenheiten sieht man die Kadetten mit der „Flunder“ in der Hand von Nagel zu Nagel gehen. Dahinter verbirgt sich ein Blatt Papier mit einer Prinzipskizze, anhand derer man diese Dinge lernen kann - oder besser muss. Dieses Wissen wird immer wieder abfragt und geprüft. Die Sicherheit im Umgang mit der Verteilung der Belegnägel ist im Grunde Voraussetzung für den nächsten großen Lernschritt, der verzugslos folgt: die einzelnen Segelmanöver.

.                                                               Kleine Segelkunde  (Begriffserklärung vereinfacht)                                         .

) • Topp: Mast

• Rah: Hängt in Fahrtrichtung quer am Mast, trägt das Segel

• Want: Dient der Querbefestigung der Masten; bietet auf )Großseglern zugleich die Möglichkeit des Aufsteigens

• Belegnagel: Meist herausnehmbarer Holz- oder Metallstab zum Festmachen eines Taues

• Nagelbank: Aneinanderreihung mehrerer Belegnägel

• Aufentern: Hinaufsteigen in die Takelage

• Auslegen: Die Arbeitsbereiche der Rahen besetzen, um z.B. Segel zu setzen oder zu bergen                                     .

Toppseinteilung - Crew wird auf die Segelstationen verteilt (Quelle: 2014 Bundeswehr / Achim Winkler)

Einzelne Taue zum Bedienen der Segel (Quelle: 2014 Bundeswehr / Achim Winkler)

Drei Barken vor der Kulisse von Santa Cruz de Tenerife (Quelle: 2014 Bundeswehr / Achim Winkler)

Alle Segel wurden gesetzt - „Vollzeug gesetzt“ (Quelle: 2014 Bundeswehr / Achim Winkler)