Der Scharfschützenzug der Marineschutzkräfte

 

Das Ziel im Visier (Quelle: 2014 Bundeswehr / Jelena Wiedbrauk)

Die Scharfschützen der Marine befinden sich auf dem Truppenübungsplatz. Diesen Winter wieder unter verschärften Bedingungen, denn bei Schnee und nur wenig Sicht stoßen auch diese Spezialisten an ihre Grenzen. Doch nicht heute: der Himmel ist strahlend blau, die Landschaft ist wie kristallisiert, der eisige Wind hat nachgelassen. Perfekte Bedingungen. S

Schütze mit seinem persönlichen Gewehr (Quelle: 2014 Bundeswehr / Jelena Wiedbrauk)

Vor dem Ernst steht die Schule

Die zwölf Soldaten der Marineschutzkräfte (MSK) bilden einen Zug an hochqualifizierten Scharfschützen, die sich das ganze Jahr, bei allen Bedingungen, fit halten müssen. Denn es kann jeder Zeit in den Einsatz gehen. Doch bis der Schütze so weit ist, muss er durch eine harte Schule. Zunächst steht die sechsmonatige Ausbildung zum MSK-Soldaten auf dem Programm. Ist in dieser Ausbildung bereits ein Händchen für die Waffe zu erkennen oder traut er sich diese Aufgabe zu, so kann der Anwärter in einer Auswahlwoche zeigen, was er kann.

Die Ausgewählten gehen dann in die Vorausbildung im eigenen Bataillon. „Man spricht hier von einer Mindestausbildung von vier Wochen, wobei ein bis eineinhalb Jahre realistischer sind“, verrät ein aktiver Schütze. Beim anschließenden Scharfschützenlehrgang in Hammelburg mit den anderen Teilstreitkräften zusammen müssen Schulung und Fähigkeiten bereits vorhanden sein, sonst hat man keine Chance. Denn während der vier Wochen ist jeden Tag Prüfung.

Schießen von eine Fregatte aus (Quelle: 2014 Bundeswehr / Marineschutzkräfte)

Man lernt nie aus

Nach circa zwei Jahren steht der ausgebildete Soldat dann mit seinen Kameraden hier und sammelt weiter an Erfahrung. „Es ist das tägliche Brot, in jeder Lage, in allen Situationen und unter allen Bedingungen geschossen zu haben und das zu verinnerlichen. Es ist wichtig, dass man nicht nur seine Waffe, sondern auch seinen Partner und vor allem sich selbst kennt“, erklärt ein Ausbilder.

Eine Besonderheit dieser Spezialisten in der Marine ist die Ausbildung von bewegten Plattformen aus. Das Schießen an Land ist das eine, bei Wellengang von Bord eines Schiffes das andere. So wird der gezielte Schuss zum Beispiel von Fregatten oder Booten aus trainiert. „Die Schützen können bis auf fast 1.000 Meter Entfernung optimale Schießergebnisse auf Kleinstziele erreichen. Bei starkem Wind oder unruhiger See nimmt das natürlich ab, aber die Praxis zeigt, dass die Abweichungen selbst dann gering sind “, hebt Fregattenkapitän Edgar Behrends, Kommandeur der Marineschutzkräfte, das Können seiner Truppe hervor.

Der Spotter gehört zum Team (Quelle: 2014 Bundeswehr / Jelena Wiedbrauk)

„Vier Click hoch, Seite Null“

Scharfschützen agieren immer in Teams: ein Schütze und ein Spotter - sozusagen ein Beobachter. Während der langen Ausbildung wird man auf beide Rollen ausreichend vorbereitet. Der nächste Schütze legt sich hinter sein persönliches Gewehr G22 und verschafft sich einen Überblick. Der Spotter sitzt an seiner Seite und sucht die Ziele, die über mehrere hundert Meter verteilt sind. Heute handelt es sich um ein Schulschießen, also Scheiben, die auf Kommando aufgedeckt oder abgeklappt werden können. Von anderen Szenarien spricht einer der jungen Soldaten: „Während der Ausbildung führt man reine Beobachtungsübungen durch, bei denen man kleine Veränderungen auf einer breiten Fläche feststellen muss. Oder die Ausbilder verteilen zum Beispiel Bauteile eines Gewehrs, die man dann auf einem Feld finden muss. Es ist eine Geduldsübung, aber wichtig für unseren Job.“

Doch nicht nur die Schieß- und Beobachtungsübungen stellen die Geduld auf die Probe. Das taktische Annähern schult die Soldaten im - wie der Name verrät - Annähern, aber vollkommen unsichtbar. Komplett getarnt positioniert sich das Schützenteam an einem optimalen Platz und verharrt dort. Stundenlang. Tagelang. „Gerade hier ist es wichtig, dass der Soldat auch nach stundenlangem Ausharren noch einen klaren Kopf bewahren und optimal reagieren kann. Wer nicht den nötigen Ehrgeiz hat und das wirklich machen will, fällt hier durch “, beschreibt der Ausbilder.

Höchste Konzentration (Quelle: 2014 Bundeswehr / Jelena Wiedbrauk)

Als Sicherheit für die Kameraden

Scharfschützen im Verborgenen gelten als Sicherheit für ihre Kameraden vor Ort. Idealerweise fällt gar kein Schuss, denn dann haben die anderen ihre Aufgabe erfüllt. Maximal wird ein einziges Mal geschossen und danach sofort die Stellung gewechselt, denn dann hilft auch die beste Tarnung nicht mehr.

Alle Scharfschützen der Marine sind Mannschaftsdienstgrade, würden somit nur vier Jahre bei der Bundeswehr bleiben. Aber wegen der langen Ausbildung gibt es hier eine Ausnahme. Die jungen Soldaten sind alle mindestens acht Jahre verpflichtet. Nach der hochwertigen Ausbildung in den Streitkräften finden viele einen Platz bei anderen Staatsorganen. So hat auch die Polizei Präzisionsschützen, die bei Veranstaltungen für Sicherheit sorgen.

Schlechte Sicht für den Schützen (Quelle: 2014 Bundeswehr / Jelena Wiedbrauk)

Trotz Seegangs die Präzision wahren (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Björn Wilke)

Gut getarnt (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Björn Wilke)