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S-Boote

Die Entwicklung des Schnellbootes geht auf die Zeit des Ersten Weltkriegs zurück, als Großbritannien, Italien und Deutschland jeweils kleine Boote entwickelten, die mit Verbrennungsmotoren angetrieben wurden.

Großbritannien
Die Royal Navy konstruierte kleine Boote, die als Beiboote von Kreuzern zum Einsatzort an die Küste gebracht werden sollten und durch ihren geringen Tiefgang die Minenfelder vor der deutschen Küste überfahren konnten. Im Zweiten Weltkrieg setzte die Royal Navy sehr unterschiedliche Boote (MTBs = Motor Torpedo Boats) ein. Meist waren es sehr kleine Gleitboote (<50 t), die unter den Bedingungen der Nordsee und des Atlantiks auch wetterbedingt nur sehr eingeschränkt einsetzbar waren. Nach dem Krieg wurden dann auch Boote mit Dieselmotoren von Napier Deltic ausgerüstet. Einige solche Boote wurden auch an die USA, Norwegen und andere verbündete Marinen geliefert.

Italien
Die Entwicklung der in Italien als MAS bezeichneten Boote begann schon vor dem ersten Weltkrieg. Die Abkürzung stand ursprünglich wohl für "Motobarca Armata SVAN" (Bewaffnetes Motorschiff SVAN, wobei S.V.A.N. eine bedeutende italienische Werft ist), wurde später aber als Akronym für "Motoscafo anti sommergibile" (Anti-U-Boot-Motorboot) aufgefaßt. Zunächst sah man auch in der U-Bootabwehr die Hauptaufgabe der MAS und die Bewaffnung bestand dementsprechend aus Kanonen. Die Boote wurden aber bald auch mit Torpedos ausgestattet (dann stand MAS auch für: "Motoscafo armato silurante" (bewaffnetes torpedierendes Motorboot). Mit einem Boot dieses "Typs" gelang der italienischen Marine 1918 ein spektakulärer Erfolg, als MAS-15 das österreichisch-ungarische Schlachtschiff "Szent István" versenkte.
Die Typenvielfalt der Italienischen Schnellboote ist gewaltig. Praktisch jede Werft brachte eigene Entwürfe in Kleinserien heraus (zum Teil einzelne Boote). In Bewaffnung und Leistungen bietet sich ein verwirrendes Bild, auch weil die Boote zum Teil erheblich umgerüstet und neu klassifiziert wurden.
Die ersten Boote waren dabei so klein, dass ihre Seegängigkeit sehr eingeschränkt war und sie die untere Grenze darstellen für Boote, die noch wirkungsvolle Waffen tragen konnten. Sie waren nur gut 16 m lang, knapp 2,5 m breit und hatten ein Gesamtgewicht von um 14 t. Die Bewaffnung bestand entweder aus zwei Torpedos (ohne Rohre) und Maschinengewehren, oder aus ein bis zwei leichten Geschützen (bis zu 7,6 cm). Zum Legen von Minen umgerüstet konnten bis zu 4 Seeminen ausgesetzt werden. Der Antrieb erfolgte zunächst mit Benzinmotoren von 400 bis 500 PS, mit denen Geschwindigkeiten von 17 bis 27 Knoten erreicht wurden. Beeinflußt von englischen Konstruktionen wuchsen die Boote gegen Ende des Ersten Weltkriegs an und erreichten bis in den zweiten Weltkrieg Dimensionen von um 20 m Länge, 4,5 m Breite und knapp 30 t Gewicht (einzelne Typen auch über
40 t). Die Fahrleistung stieg auf über 40 Knoten. Dabei blieben aber auch immer Typen mit wesentlich geringeren Abmessungen in Gebrauch.

Deutschland
Die Entwicklung der deutschen Schnellboote ist auf das Engste mit der Lürssenwerft in Bremen-Vegesack verbunden. Diese Werft war vor dem ersten Weltkrieg in Deutschland führend im Bau von Motorsportbooten.
Deutschland experimentierte mit kleinen motorisierten Booten für ganz verschiedene Zwecke. Unterschiedliche Bewaffnungen und Motorisierungen wurden ausgeführt, ab 1916 auch mit Luftschiff-Motoren. Diese Boote sollten in Flandern britische Monitore angreifen und durch den geringen Tiefgang in der Lage sein, die Netzsperren vor den Monitoren zu überfahren. Boote mit Torpedobewaffnung kamen dabei erst gegen Ende des Krieges in Bau.
In den 1920er Jahren begann die Reichsmarine mit ersten Versuchen für die Entwicklung neuer Schnellboote. Mit diesem durch den Vertrag von Versailles nicht erfaßten Schiffstyp bot sich die Gelegenheit, die Kampfkraft und den Bestand ausgebildeten Personals innerhalb der Restriktionen zu erhöhen. Trotzdem ging die Entwicklung zunächst im Verborgenen vonstatten, weil man Reaktionen der Siegermächte fürchtete. Die Entwicklung des typischen deutschen Schnellbootes des Zweiten Weltkrieges begann 1930, als das Schnellboot S1, basierend auf dem Plan der schnellen Motorjacht Oheka II, entwickelt wurde. Es wurde von drei Benzinmotoren auf drei Schrauben angetrieben und hatte etwa 60 Tonnen (t) Verdrängung. Der Linienriss des Rumpfes erwies sich als sehr gelungen und wurde bei allen Booten bis zum Ende des zweiten Weltkrieges beibehalten. Da es bei den Benzinmotoren aufgrund von Benzindämpfen häufig zu Explosionen kam, erhielten die nachfolgenden Bauten erstmals die wesentlich sichereren Dieselmotoren. Ein weiterer Vorteil lag im geringeren Verbrauch der Dieselmotoren. Dieser ermöglicht eine größere Reichweite von bis zu 700 Seemeilen. Zuerst experimentierte man mit 7-Zylinder-Reihenmotoren von MAN und 20-Zylinder-V-Motoren von Daimler-Benz. Da sich letztere als deutlich brauchbarer erwiesen, wurde die Motorenbaureihe MB 501 mit 2000 PS zum Standardmotor für deutsche Schnellboote. Die Höchstgeschwindigkeit mit diesen Motoren lag bei 39 Knoten. Im Rahmen der Weiterentwicklung zum MB 518 wurden die Motoren durch Aufladung auf eine Leistung von 2500 PS und damit die Höchstgeschwindigkeit auf 42 Knoten erhöht. Im Gegensatz zu der Entwicklung in Deutschland benutzen die Alliierten für ihre Schnellboote bis zum Kriegsende Benzinmotoren.
Die deutschen Schnellboote, die im Zweiten Weltkrieg schließlich eine Länge von etwa 35 m und ein Gewicht von 100 t hatten, erhielten zwei in der Back eingebaute Torpedorohre mit charakteristischen Aussparungen für die Klappen der Torpedorohre. Dazu kamen mehrere leichte Rohrwaffen verschiedenen Kalibers, deren Anzahl während des Krieges laufend zunahm. Ab der mit S 100 beginnenden Bauserie hatten die deutschen Schnellboote eine gepanzerte Kalottenbrücke, um zumindest das Brückenpersonal vor der Waffenwirkung der Tiefflieger zu schützen. Der Rumpf war in Komposit-Bauweise mit Spantengerüst aus einer Leichtmetalllegierungen und mehrlagiger Holzbeplankung (Diagonalkraweel) gebaut. Diese Schnellboote, von denen über 200 Exemplare zum Einsatz kamen, griffen vor allem nachts die Küstenschifffahrt um die britischen Inseln an, wurden aber auch über Autostraßen und auf den Binnenschifffahrtswegen ins Mittelmeer und das Schwarze Meer verlegt.
Ab etwa 1943 ging die Hauptlast der Offensive durch Überwasserkräfte auf die Schnellboote über, da die großen Einheiten entweder vernichtet waren, oder nicht mehr mit Aussicht auf Erfolg operieren konnten. Entsprechend hoch waren die Verluste der Schnellbootfahrer, obwohl sich die Boote selbst als sehr widerstandsfähig erwiesen.
Die Alliierten nannten die deutschen Schnellboote „E-Boats“, eine Abkürzung für "Enemy-Boats" (dt.: "Feindboote").
Ein Schnellboot aus dieser Zeit, das ehemalige S130, war bis in die 1970er Jahre bei der Bundesmarine zu verschiedenen Zwecken im Einsatz und ist nach vielen Umbauten bis heute erhalten geblieben. S 130 liegt heute in England und gehört dem "British Military Powerboat Trust" (Webseite des BMPT). Es ist derzeit nicht zu besichtigen, soll aber in Zukunft in einer Ausstellung gezeigt werden. Dem Trust fehlen jedoch derzeit die Mittel zur Restaurierung. Der Verein besitzt verschiedene historische Militärboote.

USA
Amerikanisches PT-Boat
Die USA entwickelten im Zweiten Weltkrieg Schnellboote, die Patrol Torpedo Boats oder kurz PT-Boats genannt wurden und für den Einsatz im Pazifik als Überwachungskräfte in der vor allem aus Riffen und Atollen bestehenden Inselwelt Polynesiens bestimmt waren. Wie die britischen und italienischen Boote waren sie wenig seegängige Gleitboote. Sie waren überwiegend mit 16-Zylinder-V-Benzinmotoren von Packard ausgestattet und mit vier Torpedorohren sowie verschiedenen Maschinenkanonen und Wasserbomben bewaffnet. Die Bestückung mit Maschinenkanonen variierte sehr stark, zum Teil kamen auch Mehrfachgranatwerfer und Torpedos ohne Rohre zum Einsatz.
Es wurden insgesamt über 700 PT-Boote gebaut und neben dem Pazifik auch im Mittelmeer und Ärmelkanal eingesetzt. Besonders bekannt wurde PT-109, dessen Kommandant der spätere Präsident der USA John F. Kennedy war. PT-Boote wurden auch an alliierte Marinen abgegeben.