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S 103

Die Geschichte von S 103

S 103 in Fahrt

Viele Taucher werden S 103 auch als Torpedoboot kennen. Es gibt am Wrack eine große Anzahl von kleinen und großen Sehenswürdigkeiten, die das Interesse des ambitionierten Tauchers wecken werden. Aber Vorsicht, in der Umgebung gibt es eine Menge Sportschifffahrt und nicht alle Freizeitskipper zeichnen sich dadurch aus, das sie nach Tauchbooten oder Taucher im Wasser Ausschau halten.
In den ersten Maitagen 1945 ging der zweite Weltkrieg in Europa seinem Ende entgegen. In Westdeutschland marschierten die amerikanischen und englischen Panzerkolonnen unaufhaltsam Richtung Nordost, während die russischen Truppen einen letzten Sturmlauf auf die Reichshauptstadt Berlin führten.
Anfang des Monats begann Feldmarschall Montgomery mit seinem Kommandozug in der Lüneburger Heide mit den deutschen Vertretern die Kapitulationsverhandlungen. Demnach sollten alle deutschen Flotteneinheiten in den nördlichen Gewässern zwischen Sund und großen und kleinen Belt sofort jegliche Kampfhandlungen einstellen, in die nächsten Häfen einlaufen und an die Alliierten ausgeliefert bzw. kampflos übergeben werden. In den Flottenaufzeichnungen W 18 / 76 wurde die letzte Fahrt von S 103 dokumentiert.
Am Freitag, den 4. Mai 1945, am Tag der bedingungslosen Kapitulation, befand sich das Schnellboot S 103 im südlichen Teil des kleinen Belts vor Alsen in der Nähe von Mommark, als das Schicksal es einholte. Alliierte Jagdbomber, vom Typ de Haviland "Mosquito MK 31" und "Liberator" Flugboote, die stetig bewaffnete Aufklärungsflüge über den dänischen Gewässern durchführten, und den Auftrag hatten alles anzugreifen was sich auf der Meeresoberfläche bewegte, sahen das Boot S 103 zufällig durch ein Wolkenloch. Das Boot wurde umgehend mit Raketen angegriffen und versenkt.

Das Wrack wird wieder entdeckt

31 Jahre sollten vergehen, bis das letzte Kapitel der Geschichte von S 103 geschrieben werden sollte. Beim Langelandfort, auf der Insel Langeland, wurde ein Vortrag über gefährliche Güter am Strand und im Meer gehalten. Zu den gemischten Zuhörern zählten auch Mitglieder eines lokalen Tauchclubs. Nach dem Vortrag wurde der Vortragshaltende vom Vorsitzenden des Clubs kontaktiert. Er erklärte, das Clubmitglieder häufig zum Wrack eines deutschen Motortorpedobootes, südöstlich von Mommark tauchten. Er meinte das diese Tauchgänge sehr beunruhigend seien, da die an Bord zurückgelassene Munition und zurückgelassenen Munitionsteile noch sehr gefährlich seien.
Ein paar Tage später machte man den dänischen Seefahrts-Minendienst auf das Wrack aufmerksam und übersandte die "Decca" Position des Wracks. In den dänischen Seekarten war dieses Wrack nicht verzeichnet, was auf Grund der Wassertiefe von 30 m über dem Wrack nicht verwunderlich war, denn es war nicht mit einer Gefährdung der Schifffahrt zu rechnen .
Ein Ortungsschiff der dänischen Marine, welches mit zur damaligen Zeit modernen Unterwasserortungsgeräten ausgerüstet war, wurde einige Zeit später zu der Position entsannt.
Es zeigte sich, dass unter Wasser ein Wrack auf dem Meeresgrund lag. Einer der Marinetaucher ging hinunter und konnte nach dem Auftauchen berichten, das es sich um ein deutsches Schnellboot aus Kriegszeiten handelte und noch mit Torpedos bestückt sei.
Das Wrack lag 33 m tief auf dem Grund, ca. 3 nm südöstlich von Mommark und ca. 2 nm vor der Küste der Insel Alsen. Der Munitionsräumdienst wurde mit der Untersuchung der Möglichkeit das Wrack oder die Munition zu sprengen beauftragt. Dummerweise gab es da ein Problem, denn in unmittelbarer Nähe verläuft ein Unterwasserkabel , deshalb wurde die Möglichkeit der Sprengung erst einmal wieder verworfen. Daraufhin wurde für die Wrackposition und im Umkreis von o,5 nm ein Anker- und ein Fischereiverbot erteilt.
Das Wrack wurde später wieder durch Taucher des Munitionsräumdienstes aufgesucht. Doch jetzt stellte man nach genaueren Untersuchungen fest, dass sich in der Nähe des Bootes auch noch einige Wasserbomben befinden.
Diese Aktivitäten wurden auch von den dänischen und norddeutschen Medien mit verfolgt so dass auch die "Deutsche Dienstelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht", die ihren Hauptsitz in Berlin hat, davon erfuhr.
Die Dienststelle, die sich dem Aufklären von Soldatenschicksalen widmet, setzte eine Nachforschungsarbeit in Gang, da das diesbezügliche Archivmaterial vieler Kampfschiffe, darunter auch das von S 103 verlorengegangen war. Nach vielen Bemühungen findet man endlich ein überlebendes Besatzungsmitglied. Obermaschinist Hans Schott wohnte in Neuss und kannte noch 9 weitere Überlebende, darunter auch den letzten Kommandanten des Bootes Oberleutnant z.S. Hans Wulf Heckel.

OLt.zS. Heckel erzählte uns die wahre Geschichte von „S 103 „


Die wahre Geschichte der S 103

Der "Bubblewatcher Tauchservice" konnte sich mit dem ehemaligen Kommandanten von S 103, Olt.z.S. Heckel, persönlich in Verbindung setzen und erfuhr die wahre Geschichte von der letzten Fahrt von S 103:

„Am 02.04.1945, es war ein Mittwoch, ein sonniger Tag, übernahm ich über das im dänischen Svendborg liegende Torpedoboot S 103 das Kommando. Mir war der Dienst an Bord sehr gut bekannt, da ich vorher Chef und Divisionschef einer Torpedobootflottille im Mittelmeer war. Mit Ausnahme einiger weniger kriegserfahrener Soldaten war S 103 nur mit jungen unerfahrenen Soldaten bemannt. Erst auf den Planken dieses Schiffes wurde einige der Jungs erst zu richtigen Männern.
Ohne die Möglichkeit ihnen eine Grundausbildung zu vermitteln bekam ich zwei Tage nach meiner Ankunft den Befehl, als einziger fronterfahrener Kommandant, ich hatte vorher als Schnellboot Divisionschef im Mittelmeer und dem schwarzen Meer gedient, das in Svendborg bei der 2. S-Boot-Schulflottille liegende Schiff, nach Flensburg zu fahren, um zu untersuchen, ob die englischen Truppen bis dorthin schon vorgestoßen seien. Denn man wusste nur mit Sicherheit, dass die engl. Truppen die Eider schon überquert hatten.
Trotz meiner Bedenken, die ich an höhere Stelle vortrug, wurde mir der Auslaufbefehl erteilt. Es war zu fast 110% sicher, das wir Flensburg nicht unentdeckt erreichen würden. Die Besatzung war nicht ausgebildet, der Rollendienst an Bord konnte nicht effektiv genug durchgeführt werden. Aber Befehl war Befehl und deshalb liefen wir am 4. Mai 1945 gegen 14 : 00 Uhr bei bedeckten und teilweise sehr regenreichen Wetter aus. An Bord befanden sich 32 Personen von denen zwei nicht zur Besatzung gehörten und nur nach Flensburg gebracht werden sollten. Der Luftraum über Dänemark und Norddeutschland war stets mit feindlichen Flugzeugen gefüllt.
Ständig suchte ich mit meinem Marinefernglas den Himmel ab. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, die unter den damaligen Bedingungen getroffen werden konnten, wie z.B. doppelte Ausgucks, alle Gefechtsstationen besetzt, die Waffen fertiggeladen und hergestellten Kriegsmarschverschlußzustand wurden wir ca. 1 Stunde nach dem wir aus dem dänischen Svendborg ausgelaufen waren von einer Explosion und vielen Einschlägen erschüttert.
Durch ein Wolkenloch hatten die Jagdbomber uns entdeckt und die Jagd ging los. Der erste Angriff mit Raketen landete einen Volltreffer direkt hinter dem Brückenhaus und gleichzeitig fingen wir uns durch den Bordwaffenbeschuß viele kleinere Treffer ein. Unglücklicher Weise war die vordere 2 cm Flak 38 des Bootes und ein Großteil der Besatzung durch die ersten Treffer ausgefallen. Unsere übrigen Waffen fielen auch in relativ kurzer Zeit aus, so dass wir uns nicht mehr verteidigen konnten. Der Kampf war verloren bevor der erste Angriff vorüber war.
Die Seitenmotoren waren ausgefallen und die Mittelmaschine lief auch nur noch auf einigen Zylindern. Wir waren nur noch sehr eingeschränkt manövrierfähig.
In der folgenden halben Stunde wurden wir von 6 Jabos, 2 zweimotorige und 4 viermotorige, angegriffen bis kurze Zeit später das Boot sank. Es war ein reines Scheiben schießen.
12 gerettete oder unverletzte Besatzungsmitglieder, zu denen auch ich gehörte, mussten sich schwimmend, und sich teilweise lediglich mit einer Hand an einem Rettungsfloß klammernd, retten. Nach einer dreiviertel Stunde im sehr kalten Wasser wurden wir von einem kleinen Fischerboot, welches den Kampf von Land aus beobachtet hatte, aufgenommen. Man brachte uns anschließend an Land und versorgte die verletzten und teilweise stark unterkühlten Besatzungsmitglieder. Man gab uns warme Decken, Verpflegung sowie eine Unterkunft.
Von 32 Menschen überlebten nur 12.
Gleich nachdem wir die Insel Alsen erreicht hatten, sah ich draußen vor der Küste ein U-Boot, dass von fast mehr als 30 Jagdfliegern angegriffen und schwer beschossen wurde. Diesem Boot erging es auch nicht besser als meinem Boot. Die Übermacht der Flugzeuge war einfach zu groß.
Das U-Boot hatte dem Gegner fast nichts entgegenzusetzen. Nach aussichtslosem Kampf unterlag auch dieses U-Boot der feindlichen Übermacht und sank auf den Grund des südl. kleinen Belts. Vom Kommandanten eines ankernden und gut geschützten Minenräumers erfuhr ich, gleich nachdem ich dort an Bord gegangen war, das ab 08:00 Uhr am nächsten Tag Waffenstillstand herrschen würde. Mir fiel ein Stein vom Herzen.“

Mit diesen Worten schloss Oberleutnant Heckel seinen Bericht.
An dieser Stelle möchten wir uns recht herzlich für die sehr freundlichen und überaus informativen Auskünfte bei Herrn Heckel bedanken.


Bootsdaten:

Bauwerft : Schlichting - Werft / Travemünde / Baunummer 1003
Typ: Schnellboot vom Typ S 38 der Lürssen Werft
Länge: 34,94 m
Breite: 5,28 m
Tiefgang: 1,67 m
Leistung: 3x 2000 PS Höchstleistung 3 x 1500 PS Marschleistung
Motoren : 3x Daimler MB 501 / 20 Zylinder / Bohrung 185mm / Hub 250mm
Max. Schraubenumdrehungen: 1630 U / min
Max- Geschwindigkeit: Kurzhöchstfahrt 39 kn ( ca. 72 km/h)
Aktionsradius: 700 nm bei 35 kn
Kraftstoffvorrat: 13500 ltr
Propellerdurchmesser: 1, 23 m
Ruderart: Staudruckruder (Spezialruder der Lürssen Werft)

Quelle :
http://tauchen.nullzeit.at/Content.Node/wissenswertes/wracks/daendemark--tauchen-am-schnellboot-s-103.php