Home

Geschichte der S-Boote

Die Entwicklungsgeschichte bis 1945

Vor den Augen der "High Society" lieferten sich die Rennboote der Firma Lürssen, Bremen-Vegesack und Thornycroft Portsmouth, 1910 in Monaco ein spannendes Rennen. Das für die deutsche Flagge startende Boot aus Bremen - Vegesack gewinnt und wird danach vergessen wie ein alternder Star.

Vier Jahre später, 1914, wird ein Angehöriger der Kaiserlichen Marine auf das langsam verrottende Rennboot aufmerksam. Die Firma Lürssen baut das Sportboot zum ersten deutschen Schnellboot um, im Bug wird ein Torpedoausstoßrohr installiert.

Der erste Schritt zum Torpedoschnellboot war getan. Weitere Schnellboote, ähnlich dem Urtyp, wurden noch im 1. Weltkrieg zum Einsatz gebracht. Diese Boote besaßen alle Benzinmotoren und gingen auch fast alle durch Benzinexplosionen verloren.

Neben der Kaiserlichen Marine setzten auch die Marinen Großbritanniens und Italiens noch im 1. Weltkrieg Torpedoschnellboote ein.

Die Bedingungen des Friedensvertrages nach dem 1. Weltkrieg zwangen die deutsche Marine, ihre Bemühungen um die Entwicklung von Motor-Torpedobooten zu intensivieren.

Der zweite entscheidende Schritt wurde jedoch erst kurz vor dem 2. Weltkrieg gemacht, als man die sicheren und standfesten Dieselmotoren einbaute. Ein sehr vielseitiger, kleiner und beweglicher Bootstyp war geboren. Es waren Stahl- Leichtmetall- Holzkraweel - Kompositbauten von ca. 35 m Länge, 5 m Breite, 2 m Tiefgang und 100t Verdrängung. Drei Daimler-Benz Dieselmotoren mit 7500 PS brachten das Boot mit der 23-köpfigen Besatzung auf eine Geschwindigkeit von 42 Kn. Die Hauptbewaffnung bestand aus zwei Torpedorohren und zwei 3 cm Fla-Kanonen.

Von 1932 bis 1942 wurden über 200 Schnellboote, wie sie jetzt offiziell genannt wurden, für die deutsche Marine gebaut. Einsatzgebiete im 2. Weltkrieg waren die Nord- und Ostsee, der Englische Kanal, Mittelmeer, Nordmeer und Schwarzes Meer. Andere Nationen, deren Marinen Schnellboote einsetzten, waren die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion und wiederum Großbritannien und Italien.

2. Schnellboote nach dem 2. Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland

Durch die geänderte politische und militärische Lage nach dem 2. Weltkrieg wurden die Schnellboote für die deutsche Marine abermals aufgewertet. Sie stellten jetzt die Haupteinsatzstreitkräfte in der Ostsee gegenüber der wachsenden Bedrohung durch die Marinen des Warschauer Paktes dar.

Nach dem Wiederaufbau der deutschen Marine entwickelte die Firma Lürssen den im Krieg bewährten Bootstyp weiter zu den Schnellbooten der wesentlich größeren JAGUAR - Klasse. Diese 42 m langen, 42 Kn schnellen, mit 39 Mann besetzten Boote, bewaffnet mit vier Torpedorohren und zwei 4 cm Schnellfeuerkanonen, waren die Vorläufer für die Boote der ZOBEL - Klasse des 7. Schnellbootgeschwaders.

Von 1957 bis 1963 wurden insgesamt 40 Boote dieses Typs gebaut und im 2.,3.,5. und 7. Schnellbootgeschwader zusammengefasst. Die zuletzt gebauten zehn Boote des 7. Schnellbootgeschwaders waren modifiziert, um den Anforderungen eines Einsatzes unter ABC-Bedrohung besser gerecht zu werden.

Die Indienststellung der Geschwader erfolgte am:

  • 01.10.57 für das 3. Schnellbootgeschwader (SGschw) in Flensburg (JAGUAR - Klasse), 01.07.58 für das 2. SGschw in Wilhelmshaven (SEEADLER - Klasse)
  • 01.10.59 für das 5. SGschw in Neustadt (JAGUAR - Klasse) und schließlich am
  • 01.04.61 für das 7. SGschw in Kiel (ZOBEL - Klasse).
  • Versorgt wurden die Boote von sechs Tendern der RHEIN - Klasse (Klasse 401), die zwischen 1961 und 1966 der Flotte zuliefen.

Damit war ein Geschwader in der Nordsee stationiert, das den Schutz der Seeverbindungswege als eine Hauptaufgabe hatte, die anderen drei Geschwader waren in der Ostsee disloziert mit der Hauptaufgabe Küstenverteidigung bzw. der Abwehr von Landungsverbänden.

Die damalige Hauptbewaffnung des geradeauslaufenden Torpedos gegen Überwasserziele und die leichte Artillerie zur Flugabwehr machte dabei die Annäherung an den Gegner bis auf 2-4 Seemeilen erforderlich, um eine akzeptable Trefferwahrscheinlichkeit zu erreichen.

Erst die Einführung des drahtgelenkten Torpedos Typ SEAL für die ZOBEL- Klasse des 7. SGschw erlaubte die Feuereröffnungsentfernung auf bis zu 10 Seemeilen zu vergrößern und die Eigengefährdung entsprechend zu verringern. Die radargesteuerte Artillerie erhöhte die Durchsetzungs- wie Überlebensfähigkeit der Einheiten. Das Gros der Einheiten blieb jedoch die JAGUAR- und SEEADLER- Klasse mit ihren eingeschränkten Fähigkeiten.

Als erste Träger von Lenkflugkörpern (LFK) liefen zwischen 1973 und 1975 die Boote der TIGER-Klasse (KI.148) mit dem Flugkörper Typ MM 38 EXOCET als Hauptbewaffnung für das 3. und 5.SGschw zu. Moderne Ortungs- und Feuerleitanlagen sowie eine effektivere Flugabwehr mit dem 76mm-Geschütz OTO MELARA ergänzten die Ausrüstung dieser Einheiten.

Die letzten Boote der TIGER - Klasse (KI.148) wurden 2002 in der deutschen Marine außer Dienst gestellt und an Ägypten verkauft.

Es folgte 1976 die Indienststellung der ALBATROS- Klasse im 2. SG und schließlich der Zulauf der GEPARD - Klasse 1984 im 7.SG.

Mit der Einführung der ALBATROS - Klasse (KI.143) verfügte die Schnellbootflottille (SFltl) über die ersten zehn Einheiten mit dem automatisierten Gefechts- und Informationssystem AGIS. Im Gegensatz zur TIGER - Klasse sind diese Einheiten mit zwei drahtgelenkten Torpedos, zwei 76mm - Türmen und mit dem kombinierten Feuerleit- und Rundsuch-Radar ausgerüstet. Ihre größere Tonnage, Länge und andere Rumpfform verbindet gute Seegangseigenschaften mit einer geringeren Belastung des Bootskörpers bei schwerer See.

Bei der GEPARD - Klasse (KI.143A), als Weiterentwicklung der ALBATROS - Klasse, wurde zugunsten einer Minenlegekapazität auf die Torpedos verzichtet. Statt eines zweiten 76mm

Turmes verfügen diese Boote über das LFK - Abwehrsystem RAM (Rolling Airframe Missile) für die Selbstverteidigung im FK - Gefecht. Die EloKa- Anlage FL 1800 trägt den gestiegenen Anforderungen in der Durchsetzungsfähigkeit Rechnung. Als jüngstes der Systeme der SFltl wird diese Bootsklasse noch einige Jahre in Dienst bleiben.

Beide Bootsklassen ergänzten den Bestand der Flotte an Trägern des Waffensystems MM 38 EXOCET.

Dieser Flugkörper, ein Seaskimmer, der mit einer Reichweite von 38 km sein Ziel in einer extrem niedrigen Anflughöhe und einer Geschwindigkeit von knapp unter Schallgeschwindigkeit sein Ziel anfliegt, erforderte ein grundlegendes Umdenken im damaligen Schnellbootseinsatz.

Das auf der ALBATROS- und GEPARD - Klasse implementierte Automatisierte Gefechts- und Informationssystem (AGIS), das eine rechnergestützte Zieldatengewinnung, über LINK 11 den Lagebildaustausch in Echtzeit erlaubte, stellte erstmalig eine bisher ungekannte Reaktionsschnelligkeit im Überwasser- und Flugabwehrgefecht für einen Verband sicher, erlaubte die Bekämpfung von bis zu fünf Zielen gleichzeitig und ermöglichte die Koordination und damit Ökonomie des Waffeneinsatzes. In Form der Nachrüstung fand das System in abgewandelter Form ebenfalls Anwendung auf den 20 Booten der TIGER - Klasse.

Alle drei Bootsklassen der Schnellbootflottille wurden seit ihrer Indienststellung kontinuierlich. modernisiert und sind somit sowohl für Aufgaben im Rahmen der Landesverteidigung als auch für Aufgaben im Rahmen von Krisenreaktion sehr flexibel und vielseitig einsetzbar.

Die o.a. Tender der RHEIN - Klasse wurden in der ersten Hälfte der neunziger Jahre durch die nach Handelsschiffstandard gebaute ELBE - Klasse ersetzt. Durch Containerisierung konnte die Mobilität der Systemunterstützungsgruppe (ein Technikerteam bestehend aus ca. 30 Soldaten) erhöht werden. Eingerichtet in 13 Containern können Büros, Werkstätten und Ersatzteilbevorratung jederzeit vollständig oder in Teilen vom Tender genommen werden, um einen Abstützpunkt in fremden Häfen zu errichten. Die so erreichte Flexibilität in der Instandsetzung verleiht jedem Geschwader hohe operative Mobilität und weitgehende logistische Autarkie.

Die Tender der ELBE - Klasse versorgen die Schnellboote mit allen erforderlichen Materialien und Gütern. Zugleich ist der Tender SUG - Träger. Seine Versorgungsfähigkeiten haben heute fast einen ebenso hohen Stellenwert wie seine Möglichkeiten der Entsorgung von Müll, Fäkalien oder Schmutzwasser. Dies macht den Tender zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Bootsgeschwader.


3. Die Schnellbootsentwicklung in der Deutschen Demokratischen Republik

Die Erfahrungen der Kriegsmarine und der sowjetischen Flotte aus dem 2. Weltkrieg besagten, dass Schnellboote speziell für die Seekriegsführung in Randmeeren ein ideales Seekriegsmittel darstellten. Dieser Erfahrung folgend, spielten Schnellboote Nach sowjetischer Gliederung zählen alle Überwassereinheiten mit einer Wasserverdrängung von< 300 ts und einer Maximalgeschwindigkeit von> 36 kn als Schnellboot. auch beim Aufbau der Seestreitkräfte der DDR eine wichtige Rolle.

Ca. 1 1/2 Jahre nach Gründung der Seestreitkräfte der DDR wurden der Flotte die ersten von insgesamt 27 Torpedoschnellbooten des sowjetischen Projekts 183 übergeben (Indienststellung erstes Boot am 08.10.1957). Die 50t Torpedoschnellboote (TS-Boote) waren als Gleitboote konzipiert und aus Holz gefertigt. Die Maximalgeschwindigkeit betrug ca. 45 kn. Ihre Hauptbewaffnung waren 2 Torpedos. Die eingerüsteten zwei halbautomatischen 25mm Doppellafetten konnten zur Luft- und Seezielbekämpfung eingesetzt werden. Weitere Einsatzmöglichkeiten bestanden im Einsatz von Wasserbomben und in der Mitführung und Verlegung von Seeminen (Minenschienensystem an Oberdeck).

Die TS-Boote Projekt 183 wurden in der TS-Bootsbrigade organisiert und bildeten bis ca. 1968/69 den Kern der "Stoßkräfte". Die letzten TS-Boot Projekt 183 wurden am 21.10.1970 außer Dienst gestellt.

Mit der Einführung der sowjetischen Flugkörperschnellboote "OSA I" (Originalbezeichnung: Großes Raketenschnellboot Projekt 205) ab 1962 wurden die Möglichkeiten der Volksmarine zur Seezielbekämpfung wesentlich verbessert. Insgesamt liefen der Marine im Zeitraum vom 20.11.1962 bis zum 06.10.1971 15 Boote dieses Typs zu.

Die Raketenschnellboote (RS-Boote) des Projekts 205 waren kombinierte Verdrängungs-Gleitboote mit einem Stahl-Schiffskörper. Sie besaßen eine Wasserverdrängung von ca. 210t und verfügten über eine Maximalgeschwindigkeit von ca. 38 kn. Ihre Hauptbewaffnung bestand in 4 Schiff/Schiff - Flugkörpern SS - N - 2 A (Originalbezeichnung P 15) mit einer Reichweite von bis zu 25 sm. Als Selbstschutzkomponente waren zwei automatische 30mm - Schnellfeuerkanonen in Doppellafetten eingerüstet, die sowohl über Radar, als auch über ein optisches Visier eingesetzt werden konnten.

Ab 1981 wurde aufgrund starker Materialermüdung mit der AußerdienststeIlung der ersten Boote begonnen. Da aber mit Ausnahme der kleinen Raketenschiffe Projekt 1241 (siehe weiter unten) keine neuen Flugkörperträger eingeführt werden konnten, befanden sich am 01.10.1990 noch theoretisch 12 RS-Boote im Dienst. Die Bezeichnung "theoretisch" wurde gewählt, da der überwiegende Teil der RS- Boote zum Ende der 80er Jahre technisch nicht gehalten werden konnte. Ersatzteilmangel zwang zur Teilkonservierung. Einige Boote wurden außer Fahrbereitschaft genommen. Nach 1990 wurden mit wenigen Ausnahmen die RS-Boote Projekt 205 verschrottet. Einige leisten allerdings noch heute in den baltischen Staaten in entmilitarisierter Form Dienst als Patrouillenboote.

Ab 1968 wurde die TS-Bootsbrigade auf die neuen sowjetischen Torpedoschnellboote "Shershen" (Originalbezeichnung Großes Torpedoschnellboot Projekt 206) umgerüstet. Im Zeitraum vom 14.10.1968 bis zum 06.10.1971 wurden insgesamt 18 TS-Boote Projekt 206 in Dienst gestellt. Parallel dazu wurden die veralteten TS-Boote Projekt 183 außer Dienst genommen.

Die TS-Boote Projekt 206 hatten eine Wasserverdrängung von ca. 160t und eine Maximalgeschwindigkeit von 46 kn. Ihre Hauptbewaffnung bestand in 4 Torpedorohren für 533mm Torpedos. An Oberdeck befindliche Minenschienen verliehen die Fähigkeit zur Mitführung und Verlegung von Seeminen. Über ein Wasserbombenablaufgerüst am Heck der Boote konnten Wasserbomben zur Bekämpfung von Unterseebooten eingesetzt werden. Als Selbstschutzkomponente waren, identisch wie bei den RS-Booten Projekt 205, zwei automatische 30mm Schnellfeuerkanonen in Doppellafetten installiert.

Die Torpedoschnellboote "Shershen" waren hauptsächlich für den gemeinsamen Einsatz mit den Raketenschnellbooten "Osa I" zur Ausweitung des Erfolges des Flugkörpereinsatzes vorgesehen. Zusätzliche Aufgaben waren das Legen von Minensperren, die taktische Aufklärung und die Bekämpfung von U-Booten. Folgerichtig wurde die bisher bestehende "reine" Torpedoschnellbootsbrigade am 01.12.1971 aufgelöst und 3 Raketen-Torpedoschnellbootsbrigaden mit je einer Abteilung (Division) Raketenschnellboote und Torpedoschnellboote gebildet. Diese Struktur - also Friedensstruktur identisch mit der Einsatzstruktur im Verbund der Seekriegsmittel - sollte für die folgenden knapp 20 Jahre kennzeichnend sein.

Die Torpedoschnellboote Projekt 206 unterlagen aufgrund ihrer großen Geschwindigkeit einer sehr hohen Materialermüdung. Gleichzeitig wurde der Torpedoeinsatz auf relativ geringe Entfernungen durch die Taktik des Seekrieges überholt. In der Zeit von 1984 bis 1986 wurden 12 der 18 Boote a.D. gestellt. Die verbleibenden 6 Boote waren teilweise "gekadert", verblieben aber noch bis Februar 1990 im Dienst. Dann wurden auch sie verschrottet.

Ein interessantes und eigenständiges Kapitel der Schnellbootwaffe der Volksmarine ist die Entwicklung und der Einsatz der Leichten Torpedoschnellboote (L TS).

Ab 1958 wurde die Entwicklung eines Kleinsttorpedobootes für mehrere ostdeutsche Werften und Institute ausgeschrieben. Als allgemeine Rahmenbedingungen galten dabei:

  • Vmax > 50 kn;
  • Bewaffnung 2 Torpedos;
  • Einsatz bei Tag und Nacht;
  • Sehr schnelle Herstellung der Einsatzbereitschaft und
  • Besatzungsstärke von 3 Mann.

    Im Ergebnis wurde das Leichte Torpedoschnellboot "Iltis" (Projekt 63.3) von 1964 bis 1966 mit insgesamt 30 Booten eingeführt. Die L TS-Boote Projekt 63.3 waren volIgeschweißte Aluminiumbauten mit einer Wasserverdrängung von ca. 20t. Sie wurden als Einstufen-Knickspant-Gleitboote ausgeführt. Über ein spezielles Torpedoausstoßverfahren konnten die Torpedos in Flachwassergebieten eingesetzt werden.

Die L TS wurden in 3 Abteilungen zu je 10 Booten in der L TS-Brigade zusammengefasst.

Die Boote der "Iltis" - Klasse wurden mit Einführung des Nachfolgeprojektes (KTS Projekt 131) von 1973 bis 1979 a.D. gestellt und abgebrochen.

Eine ähnliche Entwicklung waren die L TS- Boote der "Hydra" - Klasse (Projekt 68). Diese etwa 21t verdrängenden Boote wurde im Gegensatz zum Projekt 63.3 in Holzbauweise gefertigt. Als Hauptbewaffnung verfügte es über 3 Torpedorohre 533 mm, wobei die jeweils äußeren Torpedorohre abgenommen werden konnten. Statt ihrer konnten die Boote Minenabwurfeinrichtungen für insgesamt 6 Grundminen einrüsten. Bei Abnahme aller Torpedorohre war eine Transportvariante für insgesamt 32 Kampfschwimmer montierbar. Ab August 1967 liefen der Volksmarine insgesamt 18 Boote dieses Typs zu. Nach Ablauf der vorgesehenen Indiensthaltungszeit wurden sie von 1968 bis 1977 a.D. gestellt.

Als Nachfolger der "Iltis" und "Hydra" - Klasse wurde das Kleine Torpedoschnellboot (KTS) "Libelle" (Originalbezeichnung Projekt 131) ab 20.12.74 mit einer Gesamtanzahl von 30 Booten eingeführt. Dieses 30t Boot in Leichtmetallausführung hatte eine Maximalgeschwindigkeit von ca. 45 kn. 2 Torpedorohre waren im Rumpf eingelassen, wobei die Torpedos nach achtern ausgestoßen wurden. Zusätzlich verfügten die KTS über 2 Minenausstoßrohre und eine 23mm Zwillingsflak. Die Minenausstoßrohre konnten abgebaut und dafür alternativ Transportsitze für Kampfschwimmer eingerüstet werden.

Die AußerdienststeIlung der KTS-Boote begann ab 1984 (16 Boote). Die Boote hatten durch Materialermüdung das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Das letzte KTS-Boot Projekt 131 wurde am 31.05.90 a.D. gestellt. Einige wenige Exemplare dieses sehr interessanten Schiffstyps sind heute noch in verschiedenen Museen erhalten.

Das zeitlich letzte Schnellbootprojekt der DDR war das Raketenschnellboot "Balcom 1 0" (Originalbezeichnung Projekt 151). Bereits seit Ende der 70er Jahre liefen die unterschiedlichsten Untersuchungen zur Entwicklung eines eigenen Flugkörperschnellbootes als Ersatz der veralteten Osa I - Schnellboote. Die geplanten 12 Boote sollten bei einer Wasserverdrängung von 350t über eine Vmax von 35 kn verfügen. Als Hauptbewaffnung waren 8 Flugkörper vorgesehen. Zusätzlich sollten die Boote über ein Geschütz 76 mm, eine automatische Schnellfeuerkanone 6 x 30 mm (Gatling) und einen 4fach Starter für Flugabwehrraketen verfügen. Neben umfangreicher elektronischer Ausrüstung war auch erstmals eine umfangreiche Ausrüstung mit Mitteln des Elektronischen Kampfes geplant.

Das erste Boot dieser Klasse wurde am 31.07.1990 mit minimierter Bewaffnung und Ausrüstung als Patrouillenboot "Saßnitz" in Dienst gestellt. Zwei weitere Einheiten folgten für einen beschränkten Zeitraum. Die "Saßnitz" leistet als einziges Fahrzeug heute noch in umgebauter Form Dienst in den Reihen des BGS.

Quelle: Freundeskreis der Schnellbootflottille